Planung
Aconcagua, 6.962 m, Argentinien, Südamerika

Der Aconcagua, höchster Berg des amerikanischen Kontinents, bietet einen idealen Einstieg ins Höhenbergsteigen. Nicht zuletzt die landschaftliche Schönheit, die das Massiv des Giganten umgibt, vor allem auch die Überschaubarkeit des Anstiegs in große Höhe dürften die Hauptgründe für jährlich zunehmende Gipfelbesteigungen sein. Kenner des Berges warnen jedoch immer wieder davor, den Aconcagua auf die leichte Schulter zu nehmen. Oft wird er mit dem Kilimandscharo verglichen. Doch fällt dieser eher noch in die Rubik Höhentrekking, ist der Aconcagua eine Expedition im klassischen Sinn. Ein großer Unterschied, den man nur in der Praxis erleben kann.

   
Aconcagua aus dem Tal (l.); Aconcagua aus dem Flugzeug (r.)

Schwierigkeitsgrad
Der niederländische Bergsteiger Harry Kikstra hat die "Seven Summits" bestiegen. Er war also nicht nur auf dem Mount Everest, sondern eben auch auf dem Aconcagua und dem Kilimandscharo. Auf seiner Homepage beschreibt er die Unterschiede der beiden Berge. Hier die gekürzte und ins Deutsche übersetzte Version:

"Im Gegensatz zu anderen Bergen dieser Höhe kann der Aconcagua ohne technische Voraussetzungen bestiegen werden. Die meisten Routen sind frei von Schnee und Eis. Der Normalweg kann von Wanderern mit entsprechender Höhenerfahrung begangen werden, denn er ist frei von Gletschern. Allerdings benötigt man zusätzliche Ausrüstung: Steigeisenfeste Plastik-Bergstiefel (wegen der Kälte), Steigeisen und einen guten Daunenschlafsack. Hinzu kommen passende Sturmzelte.

Für die meisten Bergsteiger ist der Aconcagua der nächste logische Schritt nach dem Kilimandscharo. Allerdings darf er keinesfalls unterschätzt werden. Wie am Kilimandscharo ist eine entsprechende Höhenanpassung unbedingt notwendig. Es gibt am Aconcagua keine Erfolgsgarantie nur weil er wie der Kilimandscharo ein Berg zum Hochlaufen ist.

Im Gegensatz zum Kilimandscharo ist der Aconcagua ein Expeditionsberg, an dem man bis zu zwei Wochen Zeit benötigt. Das Klima ist wesentlich härter: Die Sonne ist intensiver, der Wind ist stärker, es ist kälter. Für viele Bergsteiger ist der Aconcagua das erste Gipfelziel in den Anden Südamerikas. Es bleibt aber festzuhalten: Seine Besteigung ist deutlich anspruchsvoller als die des Kilimandscharo. Der Kili ist ein Schönwetterberg mit Vollverpflegung, der Service ist fast schon luxuriös. Ob man für den Aconcagua bereit ist, kann ein Erfolg am Kilimandscharo noch nicht sagen. Der Kilimandscharo verrät nur etwas über die Höhenverträglichkeit, aber nichts über die mentale Stärke, die man am Aconcagua benötigt.

Das heißt: Wenn man gut trainiert, keine Probleme mit einem 20-Kilo-Rucksack hat, über Höhenerfahrung verfügt (der Kilimandscharo ist ein guter Platz, um das zu testen) und eine gewisse Portion mentale Härte hat, dann kann der Aconcagua der nächste Schritt sein. Man muss sich einfach den Gipfeltag am Kilimandscharo vorstellen und rechnet am Aconcagua mit mindestens drei solchen Tagen am Stück. Hört sich das toll an? Auf nach Argentinien!"

Soweit der Vergleich von Harry.

Nach Ansicht anderer erfahrener internationaler Bergsteiger, die auch schon im Himalaya gewesen sind, stellt der Aconcagua mit seinen fast 7.000 m eine ähnliche psychische und physische Anforderungen wie ein hoher Siebentausender oder ein "kleiner" Achttausender. Das scheint zwar doch etwas übertrieben, aber meist wird folgendermaßen argumentiert: Im Gegensatz zum Himalaya, wo es in einer Höhe von 5.000 m noch Vegetation gibt, findet man diese in den zentralen Anden nur in Regionen vom 3.500 bis 4.000 m vor. Die relative Luftfeuchtigkeit ist sehr gering, die Winde sorgen angeblich für einen niedrigen Luftdruck.

So wird immer wieder erwähnt, dass es auf dem Aconcagua damit weniger Sauerstoff gibt als auf Himalaya-Gipfeln mit vergleichbarer Höhe. Der geringe Sauerstoff hänge mit der Rotation der Erde zusammen. Dadurch sei die Fliehkraft am Äquator am stärksten, heißt es. Zum Nord- und Südpol hin nimmt sie ab. Das alles führt am Äquator zu einer Ausdehnung der Atmosphäre nach oben.

Da die Luft im Gegensatz zum Wasser ein zusammendrückbares Medium ist, heißt das: An den Polen in gleicher Höhe hat man einen geringeren Sauerstoffgehalt als am Äquator. Das heißt auch: Je weiter der Berg vom Äquator entfernt ist, desto geringer der Sauerstoff. Wenn man pauschal von wenig Sauerstoff spricht, bedeutet das eigentlich, dass der Luftdruck mit zunehmender Höhe absinkt. Damit wird auch der Sauerstoff-Partialdruck geringer.

Sind wir jetzt schlauer als vorher? Zumindest ein bißchen. Wir wissen jetzt, dass der Aconcagua von allem ein Stück mehr fordert als der Kilimandscharo: Eine bessere Ausrüstung, ein intensiveres Training, noch mehr Teamgeist, einen größeren Willen, noch mehr Leidensfähigkeit.

Reisezeit, Route, Anbieter
Klar ist: Wir müssen im Sommer zum Aconcagua. Sommer in Argentinien bedeutet Winter in Deutschland. Die besten Monate für den Aufstieg sind Dezember, Januar und Februar.

Am Aconcagua gibt es derzeit 33 Aufstiegsrouten. Für uns kommen nur zwei davon in Frage, nämlich die beiden leichtesten (siehe auch Rubrik "Aufstiegsroute" und "weitere Routen"). Die beiden leichtesten Anstiege sind der Normalweg oder die so genannte "falsche Polen-Route", auch Polen-Traverse. Wir brechen am 25. Januar 2009 nach Argentinien auf und wollen dann über den Normalweg – die Nord-West-Schulter –  zum Gipfel aufsteigen.

Das Basislager ist in diesem Fall Plaza de Mulas (4.260 m). Der Weg führt über die Lager Plaza Canadá (5.050 m), Nido de Cóndores (5.560 m) und Camp Berlin (5.930 m). Das Camp Berlin ist in der Regel das letzte Lager vor dem Gipfelgang. Von dort brauchen Bergsteiger bis zum Gipfel und zurück zwischen zehn und 18 Stunden – je nach Kondition und Bedingungen.

Der Weg zum Gipfel führt vorbei an den White Rocks zur Independencia Hut (6.370 m), der höchsten Schutzhütte der Welt. Anschließend folgt eine lange Traverse bis hin zur berühmt-berüchtigten Canaleta. Der Einstieg in diese steile Steinrinne liegt bei 6.600 m. Von dort sind es noch mindestens zwei Stunden bis zum Gipfel. Die Canaleta endet am Gipfelgrat zwischen Nord- und Südgipfel. Die Bergsteiger müssen nach links abzweigen, denn der Nordgipfel ist höher und damit der Hauptgipfel (6.962 m).

   
Camp Berlin in 5.930 m Höhe (l.); am Ausstieg aus der Canaleta in 6.810 m Höhe (r.)

Soviel zur Theorie. Natürlich ist der Gipfel unser Ziel, aber nicht unter allen Umständen. Sollte es nicht gehen, dann geht es eben nicht. Jeder hat seinen persönlichen Gipfel an der Stelle erreicht, an der er umdrehen muss. Rein von der Statistik her erreichen rund ein Drittel aller Bergsteiger den höchsten Punkt. Das heißt: Von uns schaffen es höchstens einer oder zwei – rein statistisch gesehen. Was uns dagegen optimistisch stimmt: Am Kilimandscharo liegt die rechnerische Chance bei 50 Prozent. Wir haben 100 Prozent geschafft.

Vor Ort werden wir von der Agentur "7summits" beziehungsweise deren Partneragentur betreut. "7summits" kümmert sich vollständig um die Organisation ab Mendoza. Dazu gehören alle Transfers, Hotelübernachtungen, das Besorgen der Besteigungsgenehmigung, Maultiertransport der Ausrüstung ins Basislager, zwei Bergführer, ein Koch, Nahrungsmittel, Zelte, medizinisches Equipment, Funkgeräte, Gaskocher, Brennstoff und so weiter.

          
Harry Kikstra (l.); am Gipfel des Mount Everest in 8.850 m Höhe (M.); Kikstras Reiseführer über den Aconcagua

Der Inhaber von "7summits" ist der bereits erwähnte Holländer Harry Kikstra, der in Amsterdam lebt. Der Mann bietet Expeditionen zu jedem Gipfel der Seven Summits an, also auch auf den Mount Everest. In der Statistik ist Kikstra weltweit der 92. Mensch, der alle Seven Summits besteigen konnte. Sein erster Berg war der Kilimandscharo im Jahr 1998, den Gipfel des Mount Everest erreichte er 2005, der letzte Berg war der Mount Vinson in der Antarktis im Jahr 2006 (http://7summits.com).

Impfungen
Für Argentinien sind keinerlei Impfungen vorgeschrieben. Generell empfehlen die meisten Ärzte jedoch die Standardimpfungen aufzufrischen. Dazu zählen Tetanus (Wundstarrkrampf), Polio (Kinderlähmung) und Diphtherie. Man sollte also unbedingt den Impfausweis kontrollieren. Zudem wird meist auch zu einer Hepatitis-A-Impfung geraten, denn diese Infektionskrankheit ist in Südamerika weit verbreitet und wird vor allem durch unsaubere Nahrung und Wasser übertragen.

Der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes (www.auswaertiges-amt.de) empfiehlt einen Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie und Hepatitis A, bei Langzeitaufenthalt über vier Wochen auch Hepatitis B, Tollwut und Typhus. Zusätzlich wird eine Gelbfieberimpfung von der Weltgesundheitsorganisation bei Besuch bestimmter Provinzen empfohlen. Weitere Informationen gibt es im Internet auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts (www.rki.de).

Anreise, Visa, Versicherungen
Die meisten Bergsteiger, die zum Aconcagua wollen, reisen über Chile nach Argentinien ein. Der internationale Hauptverkehrsflughafen Santiago de Chile (SCL) liegt wesentlich näher bei Mendoza als Buenos Aires (EZE). In Mendoza muss die Besteigungsgenehmigung persönlich abgeholt werden. Von Santiago de Chile bietet sich ein Weiterflug nach Mendoza (MDZ) an oder aber eine Fahrt per Bus. Trekking-Agenturen bieten oft auch einen Transferservice per Jeep oder Kleinbus von Santiago de Chile nach Mendoza an.

Deutsche benötigen für die Einreise nach Chile einen Reisepass, der mindestens noch sechs Monate gültig ist. Die Einreise mit dem Personalausweis ist nicht möglich. Im Flugzeug muss eine Touristenkarte ausgefüllt werden. Nach Argentinien können Deutsche für 90 Tage als Touristen ohne Visum einreisen. Der Reisepass muss zu diesem Zeitpunkt noch mindestens drei Monate lang gültig sein. Im Flugzeug beziehungsweise bei der Einreise muss lediglich eine Einreisekarte ausgefüllt werden. Der Personalausweis wird in Argentinien nicht anerkannt. Eine Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung bis zu insgesamt sechs Monaten ist vor Ort möglich. Es besteht jedoch kein Anspruch darauf.

Wie am Kilimandscharo gilt auch für den Aconcagua, sprich für Argentinien: Eine Auslandskrankenversicherung ist unverzichtbar. Wichtig ist, dass im Notfall keine Summenbeschränkung besteht und der Rücktransport ins Heimatland eingeschlossen ist. Die Kosten für einen Arztbesuche oder Medikamente müssen in bar bezahlt werden. Das heißt auch: Immer eine vollständig ausgefüllte Quittung geben lassen, damit es später bei der Rückerstattung keine Probleme gibt. Daneben empfehlen viele Veranstalter eine Reiserücktrittskosten- oder Gepäckversicherung.

Geld
Die offizielle Währung ist der Argentinische Peso (ARS). Mit EC-Karten sowie deutschen Kreditkarten und der PIN kann man an Geldautomaten Bargeld abheben, jedoch oft nur bis zur Höchstgrenze von 300 Pesos pro Einzeltransaktion bei maximal zehn Transaktionen pro Tag. 300 Pesos sind umgerechnet 67 Euro. Das heißt: Maximal kann man 670 Euro am Tag abheben. US-Dollar lassen sich im ganzen Land problemlos tauschen; Wechselstuben oder Banken, die Euro in Pesos tauschen, sind außerhalb von Buenos Aires weniger häufig zu finden. Traveller-Schecks können ebenfalls in Banken und Wechselstuben eingelöst werden.

Ausrüstung
Mit der Ausrüstung, die wir am Kilimandscharo dabei hatten, kommen wir am Aconcagua nicht weit. Zumindest nicht bis zum Gipfel. Das liegt am klimatischen Unterschied. Der Aconcagua ist kälter und stürmischer – entsprechendes Material ist daher das A und O. Ein Beispiel sind die Bergstiefel: Ein klassischer Bergstiefel für Hochtouren in den Westalpen reicht für den Aconcagua nicht aus. Die Gefahr, Erfrierungen davon zu tragen, ist zu groß. Meistens wird zu einem Plastikbergstiefel mit Thermo-Innenschuh geraten. Hier eine vorläufige Ausrüstungsliste:

Körper







– Daunenjacke
– Gore-Tex-Jacke
– Softshell-Jacke / Fleece
– Gore-Tex-Hose
– Softshell-Hose
– Trekking-Hose
– Regenüberhose
– Unterbekleidung
Füße / Hände






– Expeditionsbergstiefel
– Trekking-Schuhe
– Socken
– Gamaschen
– Steigeisen
– 1 Paar Überhandschuhe
– 2 Paar Handschuhe (Softshell)
Kopf






– Sonnenhut / Baseball-Mütze
– Sturmhaube
– Mütze (Fleece oder Wolle)
– Halstuch
– Sonnenbrille
– Gletscherbrille
– Skibrille
Transport



– Trekking-Rucksack (mind. 70 Liter)
– Tagesrucksack (mind. 32 Liter)
– Regenhüllen für die Rucksäcke
– Tüten / Beutel (wasserdicht)
Material













– Eispickel
– Teleskopstöcke
– Thermosflasche
– Trinkflaschen oder Camel-Bag
– Stirnlampe (+ Batterien)
– Uhr / Höhenmesser
– Expeditionsschlafsack (Komfortbereich von –15 bis –20 Grad Celsius)
– Isomatte
– Trekkinghandtuch
– Waschlappen
– ggf. Inlay (Seide) für Schlafsack
– ggf. Sturmzelte für Hochlager (falls nicht von der Agentur gestellt)
– ggf. Kocher + Gas für die Hochlager  (falls nicht von der Agentur gestellt)
– ggf. Kochgeschirr (falls nicht von der Agentur gestellt)
Sonstiges


















– Digitalkamera
– Ersatzbatterien / Ersatzakkus
– Buch, Schreibzeug, Karten, MP3-Player
– Sonnencreme, Sunblocker, Lippenschutz
– Hygieneartikel
– Reiseapotheke
– Erste-Hilfe-Set, Tapeband
– Ohropax
– Taschenmesser
– Feuerzeug, Streichhölzer
– Nahrungsmittel für Hochlager (falls nicht von der Agentur gestellt)
– Energieriegel
– Toilettenpapier
– Taschentücher
– Reisepass (+ Kopie)
– Impfausweis (+ Kopie)
– Bargeld, EC- und Kreditkarte
– Flugtickets
– Versicherungsschein Krankenversicherung
(Quellen: eigene Recherche, Aconcagua-Expeditions, 7Summits, Wikipedia)