Kilimandscharo
5.895 m, Tansania, Afrika

NameKilimandscharo, Kilimanjaro, Mount Kilimanjaro
LageOstafrika, Tansania, 3° 04' 33'' S, 37° 21' 12'' O
Höhe5.895 m (Kibo, Uhuru Peak); 5.148 m (Mawenzi); 3.962 m (Shira)
Länge / Breite (max.)
80 km / 60 km
NationalparkKilimandscharo-Nationalpark
Besonderheit
UNESCO Weltnaturerbe 1987
Erstbesteigung6. Oktober 1889, Hans Meyer (D) und Ludwig Purtscheller (A)
TypSchichtvulkan mit drei Hauptausbruchstellen (Kibo, Mawenzi, Shira) und ca. 250 Nebenkratern
StatusShira / Mawenzi – erloschen; Kibo – schlafend (Ausstoß von Schwefelgasen und Wasserdampf)
Alterca. 2 bis 3 Mio. Jahre
Größter Ausbruch
vor ca. 360.000 Jahren
Letzter Ausbruch
vor ca. 300 bis 400 Jahren
Beste Besteigungszeit
Dezember, Januar, Februar, März, Juni, Juli, August
RegenzeitenOktober bis Dezember (kleine Regenzeit), März bis Mai (große Regenzeit)

Der Berg
Der Kilimandscharo (Swahili "Berg des bösen Geistes") ist mit 5.895 m über dem Meeresspiegel das höchste Bergmassiv Afrikas. Es liegt im Nordosten von Tansania hat mit dem Kibo den höchsten Gipfel des afrikanischen Kontinents. Weitere Namen sind Kilimanjaro, Kilimandscharo-Massiv oder Mount Kilimanjaro. Von 1902 bis 1918 hieß der Berg Kaiser-Wilhelm-Spitze oder Wilhelmskuppe, da er von 1885 bis 1918 zum deutschen Schutzgebiet gehörte (Kolonie Deutsch-Ostafrika). So gesehen war er in dieser Zeit der höchste Berg Deutschlands und der einzige aktive Vulkan auf deutschem Territorium. 1987 wurde die Landschaft von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.

Am Kilimandscharo werden sechs ökologisch-klimatische Höhenzonen mit einer durchschnittlichen Höhe von jeweils ca. 1.000 m unterschieden. Bis 1.000 m reicht die Buschlandzone, bis 1.800 m die Kulturlandzone, bis 3.000 m die Regenwaldzone, bis 4.000 m die Heide- und  Moorlandzone, bis 5.000 m die Steinwüstenzone. An einer Höhe von 5.000 m beginnt die Krater- oder Gipfelzone.

Geographie
Das Kilimandscharo-Massiv befindet sich rund 340 km südlich des Äquators im Nordosten von Tansania und etwa 500 km nordwestlich von Dar Es Salaam, größte Stadt in Tansania und Regierungssitz. Kenias Hauptstadt Nairobi liegt 200 km nordwestlich. Bis zur Mitte des Viktoriasees sind es knapp 560 km in Richtung Nordwesten. Während das Gelände um das Massiv in Richtung Osten nach dem 2.463 m hohen Pare-Gebirge zum Indischen Ozean hin abfällt, geht es nach Westen und Norden in die Gebirgswelten und Hochländer von Tansania und Kenia über. Im Süden liegt die Massai-Steppe. Rund 70 km südwestlich des Bergmassivs ragt der 4.562 m hohe Mount Meru auf.

Der höchste Gipfel des Massivs – und damit höchster Punkt Afrikas – ist mit 5.895 m der Kibo (Uhuru Peak). Der Gipfel des Batian 
im Mount-Kenya-Massiv, zweithöchster Berg des Kontinents, ist 325 km nördlich entfernt. Bis zum Margherita Peak im Ruwenzori-Gebirge, dem dritthöchsten Berg Afrikas, sind es 900 km in Richtung Nordwesten.

Kilimandscharo-Nationalpark
Der Kilimandscharo-Nationalpark, der 1973 gegründet und 1977 eröffnet wurde, umfasst das Kilimandscharo-Massiv, zu dem unter anderen dessen Regenwälder und die Berge Kibo, Mawenzi und Shira gehören. Zweck des 756 Quadratkilometer großen Nationalparks ist es, die Flora und Fauna am Kilimandscharo zu schützen und für die Zukunft zu bewahren. Zwischen dem Kilimandscharo und dem Viktoriasee – mehr in Richtung des Sees – befindet sich der Serengeti-Nationalpark mit dem gigantischen Ngorongoro-Krater. Er wird heute als achtes Weltwunder bezeichnet.

Obwohl sich das Kilimandscharo-Massiv in einer tropisch-heißen Region der Erde befindet, ist es neben dem Ruwenzori-Gebirge und dem kaum noch vergletscherten Mount-Kenya-Massiv, die ebenfalls in Äquatorial-Ostafrika liegen, der dritte vergletscherte Hochgebirgszug des Kontinents. Die jüngere Vergletscherung am Kilimandscharo beschränkt sich auf den Kibo. Zwischen 1912 und 1989 verlor dessen Eiskappe etwa 75 Prozent ihrer ursprünglichen Fläche. Bis zum Jahr 2000 schrumpfte sie nochmals um fast 25 Prozent. Der Grund ist ein trockeneres Klima seit Ende des 19. Jahrhunderts. Die aktuelle Vergletscherung umfasst Gletscher am Gipfelplateau und an den Hängen des Kibo. Am Gipfelplateau bilden das Nördliche und das Südliche Eisfeld die größten Einheiten, das Östliche Eisfeld und der Furtwängler-Gletscher sind bedeutend kleiner. Die Hanggletscher befinden sich vorrangig am Südhang des Kibo, allerdings sind auch an der Westflanke noch Überbleibsel der einst mächtigen Vergletscherung zu sehen.

Neben diesen Gletschern beherbergt das felsige Gebirge Firn- und Schneefelder, Frostschuttwüsten, zahlreiche Gebirgsbäche und eine üppige Vegetation, die in den tieferen Gebirgsregionen in den urwaldartigen Regenwald übergeht. Das Kilimandscharo-Massiv ist vulkanischen Ursprungs. In diesem Bereich driften seit Jahrmillionen die Afrikanische Platte sowie die Ostafrikanische Platte auseinander. Sie bilden den Ostafrikanischen Graben, der sich in ferner Zukunft ausweiten wird. An den Grabenrändern quillt Magma aus dem Erdinneren, was zahlreiche Berge und Vulkane emporwachsen lässt. Das Massiv befindet sich am Eastern Rift, dem östlichen Ast des Grabens.

Am Kilimandscharo-Massiv, das etwa zwei bis drei Millionen Jahre alt ist, fand die vermutlich größte Eruption vor rund 360.000 Jahren statt. Zuletzt soll der Kibo um 1700 ausgebrochen sein, seitdem verharrt die vulkanische Aktivität auf einem niedrigen Niveau, ist jedoch keineswegs erloschen.

        
Machame Route im Regenwald (l.); Riesenkreuzkräuter (Senezien) am Wegesrand (M.); Blick in den Krater (r.)

Geschichte, Erforschung, Erstbesteigung
Um 100 n. Chr. berichtete der griechische Astronom und Geograph Ptolemäus von einem hohen, mit Schnee bedeckten Berg mitten in Afrika. Etwa 1.000 Jahre später folgte weitere Kunde von einem solchen Berg, diesmal durch chinesische Handelsreisende. Doch erst als am 11. Mai 1848 ein weiterer Europäer, der deutsche Missionar Johannes Rebmann, vor dem Kilimandscharo stand und 1849 nach seiner Rückkehr nach Europa den überwältigenden Anblick der Schneekuppe schilderte, trat der Berg in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit. Doch die schenkte der Nachricht, dass es nur etwa 350 km südlich des Äquators Eis und Schnee gebe, über Jahrzehnte keinen Glauben. Zu stark waren die Gegenargumente: Sonneneinstrahlung und Hitze.

1861 und 1862 hatte sich der deutsche Entdecker Karl Klaus von der Decken an eine Besteigung des Berges gewagt, war aber jeweils gescheitert. Der nächste dokumentierte Besteigungsversuch wurde von dem Missionar Charles New am 14. und 26. August 1871 unternommen. Er erreichte bei einem weiteren Anlauf am 28. August in Begleitung eines Dieners und eines Jagga-Führers die Schneegrenze, bevor er umkehren musste. Eine Publikation der Royal Geographical Society berichtete 1872 über die erfolglose Unternehmung.

Die Erstbesteiger waren der Leipziger Bergsteiger, Geograph und Forscher Hans Meyer, der österreichische Alpinist Ludwig Purtscheller und als Bergführer Yohani Kinyala Lauwo. Sie erreichten den Gipfel nach zwei fehlgeschlagenen Erstbesteigungs-Versuchen von 1887 und 1888 am 6. Oktober 1889. 1912 waren Walther Furtwängler und Siegfried König nach ihrer dritten Gipfelbesteigung die ersten Menschen, die per Ski vom Kibo-Gipfel hinab fuhren. 

Am 21. Juli 2008 machte sich ein Reporterteam der ARD zusammen mit deutschen Bergsteigern vom Marangu-Gate auf den Weg. Schließlich erreichten sie am 25. Juli den Gilmans Point und den Uhuru Peak. Es gelang die weltweit erste Live-Übertragung vom Kilimandscharo. Die Regie- und Sendeanlage an der Horombo-Hut war rund 2.000 Meter tiefer stationiert.

Das Kilimandscharo-Massiv besteht im Wesentlichen aus drei erloschenen Vulkanen, deren höchster der Kibo (= der Helle) ist. Als Uhuru Peak bezeichnet man den auf 5.895 m liegenden Gipfel des Kibo mit dem 1,9 mal 2,4 km großen Kibo-Krater. Als Inner Cone (5.835 m) wird ein am Kraterrand des Reusch-Kraters gelegener kleiner Krater im Kibo-Krater bezeichnet. Er hat einen Durchmesser von etwa 800 m und ist bis zu 200 m tief. Ungefähr 10 km östlich des Kibos ragt der felsige Mawenzi (= der Dunkle) auf. Er ist durch einen weiten, durchschnittlich etwa 4.300 m hohen Sattel mit dem Kibo verbunden. Der Mawenzi, der keinen Gletscher hat, erreicht eine Höhe von 5.148 m. Über einen im Durchschnitt 3.700 m hohen Sattel ist 15 km westlich des Kibo der Shira (3.962 m) erreichbar. Er ist ein plateauartiger Berg und ebenfalls ohne Gletscher.

Die Besteigung des Kibo beziehungsweise des Uhuru Peak bietet nur geringfügige technische Schwierigkeiten, weshalb jährlich etwa 20.000 Menschen einen Aufstieg versuchen – trotz der großen körperlichen Anstrengungen. Doch infolge der mit der Höhe verbundenen Abnahme des Sauerstoffs kommt es häufig zur Höhenkrankheit. Unterm Strich erreichen auch aufgrund der physischen Anstrengungen nur etwa die Hälfte aller Gipfelaspiranten den höchsten Punkt. Am Gipfel ist die atmosphärische Sauerstoffdichte nur rund halb so groß wie auf Meereshöhe. Die Besteigung, für die man zwecks Anpassung an das Höhenklima fünf bis sieben Tage einplanen sollte, ist gebührenpflichtig. Zudem ist die Beauftragung Führers sowie die Beschäftigung einheimischer Träger vorgeschrieben.

Flora und Fauna
Wegen der steil abfallenden Berghänge gibt es am Kilimandscharo-Massiv nur kleine Seen. An seinem Südostfuß befindet sich der Chalasee (auch Dschalasee genannt; Höhe knapp 1.000 m; 3 Quadratkilometer). Etwas weiter südlich liegt der Djipesee (707 m; 46 Quadratkilometer). Beide Stillgewässer befinden sich auf der Grenze von Tansania und Kenia. Am Südwestfuß des Massivs liegt der Momellasee. Am Kilimandscharo-Massiv entspringen zahlreiche Gebirgsbäche, die am vergletscherten Gipfel des Kibo entstehen und durch die dichten Wälder die Berghänge hinab rauschen. Sie streben in alle Himmelsrichtungen davon. Aus der Vereinigung von solchen teils reißenden Bächen beziehungsweise kleinen Flüssen entstehen der Pangani und der Galana.

Wie bereits erwähnt sind die Gipfelregionen am Kibo teils vergletschert; dort gibt es auch Firn- und Schneefelder und Frostschuttwüsten. Unterhalb dieser Regionen schließt sich teils üppig sprießendes Grasland an, das in Busch- und Strauchland übergeht. Im Süden reicht die Baumgrenze bis auf maximal 3.500 m Höhe, durchschnittlich liegt diese bei 2.700 bis 3.000 m über dem Meeresspiegel. Bedingt durch das feucht-heiße Klima hat sich nicht nur in den unteren Regionen der Gebirgswelt eine einzigartige Flora im urwaldartigen Regenwald entwickelt, in dem ungezählte Pflanzenarten mit prachtvollen Wuchs gedeihen – sie werden zumeist größer als anderswo. Der Regenwald befindet sich zwischen 1.400 und 3.000 m Höhe, maximal reicht er bis 3.300 m Höhe. In der Umgebung des Bergriesen gibt es Gras- und Baum-Savannen sowie Sümpfe.

Zur Flora am Kilimandscharo-Massiv und in dessen Umgebung gehören unter anderen Akazien, Baumheide, Farne, Flechten, Erika-Sträucher (bis zu 10 m hoch), Koniferen, Kreuzkraut (5 bis 6 m hoch), Lianen, Lobelien, Moose, Olivenbäume, Orchideen, Palmen, Riesen-Senezien, Wacholder und Zedern.

Die Gebirgswelt des Kilimandscharo-Massivs und seine Umgebung birgt auch eine artenreiche Fauna. Einige Beispiele sind Affen, Büffel, Buschböcke, Elefanten, Enten, Flamingos, Gänse, Hyänen, Ibisse, Kuckuckarten, Leoparden, Löwen, Meerkatzen, Nashörner, Pelikane, Reiher, Störche, Riesenwaldschweine, Wasserhühner, Zebras oder Zugvögel.

Klima und Bevölkerung
Das typische Klima in der Region um das Kilimandscharo-Massiv unterteilt sich in zwei Regenzeiten (März bis Mai, Oktober bis Dezember) und zwei Trockenzeiten, wobei die kleine Trockenzeit (Januar und Februar) in einzelnen Jahren ebenfalls niederschlagsreich sein kann. Die mittlere Monatstemperatur an der Basis des Berges erreicht ganzjährig mehr als 20 Grad Celsius. 

Am Massiv selber ändert sich das Klima vor allem nach oben hin stark, was sich in der Abfolge verschiedener Vegetationszonen widerspiegelt. Die tiefer gelegenen Gebiete (bis ca. 3000 m) sind feucht, oftmals in Wolken gehüllt und von üppiger Regenwaldvegetation bedeckt. Mit der Höhe wird der Bewuchs immer karger, Temperatur und Niederschlag nehmen ab. Am Gipfelplateau des Kibo sind die beiden Regenzeiten zwar noch ausgeprägt, allerdings beträgt die jährliche Niederschlagsmenge nur mehr ein Zehntel jener im Regenwaldgürtel. Die Temperatur steigt selbst in den Nachmittagsstunden nur selten über den Gefrierpunkt. Dies gestaltet den Gipfelbereich zu einer trockenen, eisigen Umgebung.

Rund um den Kilimandscharo gibt es einige Ortschaften. Die Stadt Moshi liegt unmittelbar am Massiv und dient als Ausgangspunkt vieler Besteigungen. Die Großstadt Arusha liegt 80 km südwestlich des Massivs; 50 km östlich der Stadt befindet sich ein internationaler Flughafen. Die Stadt Marangu liegt etwa 25 km von Moshi entfernt. Sie ist ein optimaler Ausgangspunkt für Bergtouren auf dem Normalweg der Marangu-Route. In den Ansiedlungen und Orten rund um das Kilimandscharo-Massiv leben die Jagga, die insbesondere von der Landwirtschaft, teils aber auch vom Tourismus leben.

        
Markt in Moshi (l.); der Straßenhandel floriert (M.); Moschee in Moshi (r.)

Wirtschaft und Wissenschaft
Die Wirtschaft am Kilimandscharo ist nach wie vor von der Landwirtschaft geprägt, so dass die einheimischen Jagga zumeist vom Ackerbau sowie von Plantagen- und Viehzucht leben. Angebaut werden unter anderen Bananen, Kaffee, Mais, Weizen und Sisal. Die Region erfreut sich bei abenteuersuchenden Touristen und Naturfreunden großer Beliebtheit. Die meisten von ihnen kommen zum Bergsteigen (Kilimandscharo, Mount Meru) oder zur Safari in die Region. Das südlich gelegene Stadt Moshi bietet eine Vielzahl an touristischen Einrichtungen. Südwestlich des Massivs und etwa 30 km westlich von Moshi liegt in Richtung der Nachbarstadt Arusha der internationale Flughafen.

Die Universität Bayreuth betreibt seit vielen Jahren eine wissenschaftliche Forschungsstation am Kilimandscharo-Massiv. Sie ist primär der Erforschung der Flora und der Niederschlagsverteilung im Regenwaldgürtel gewidmet. In den vergangenen Jahren wurde durch Glazialkerne (Eisbohrungen) einzigartiges Datenmaterial zur Klimageschichte der letzten Jahrtausende gesammelt. Die Universitäten Innsbruck und Massachusetts (USA) führen seit 2002 zusammen ein Klimaforschungsprojekt durch. Ziel ist es, den Gletscherrückgang zu erforschen und zu analysieren.

Eine neuere Studie von Wissenschaftlern der University of Washington (USA) und der Universität Innsbruck (A) legt nahe, dass die Schrumpfung der Eiskappe des Kilimanjaro nicht auf die globale Erderwärmung zurückgeht, sondern durch eine Periode großer Luftfeuchtigkeit seit dem Ende des 19. Jahrhunderts verursacht worden ist.

Literatur und Film
Am Fuß des Bergs schrieb Ernest Hemingway seinen Kurzroman "Schnee auf dem Kilimandscharo" (The Snows of Kilimanjaro), der 1952 von Henry King verfilmt wurde. Mit Gregory Peck, Susan Hayward, Ava Gardner und Hildegard Knef in den Hauptrollen wurde der Film ein Hollywood-Klassiker. Lesenswert ist auch der Reiseführer "Kilimanjaro" von Tom Kunkler.


(Quellen: eigene Recherche, Afromaxx, Mount-Kilimanjaro.de, Wikipedia)