Tagebuch
Aconcagua, 6.962 m, Argentinien, Südamerika

+++ 16.12.2009 +++ Zurück in Deutschland
Am Freitag sind wir wohlauf und munter wieder in Deutschland gelandet. Frank war bereits einige Tage früher wieder im Lande – und hat hoffentlich endlich seine Angina auskuriert. Schade, Frank, dass Du keine echte Chance hattest, zumindest in die Hochlager aufzusteigen. Auch das war ein tolles Erlebnis. Als wir Dich im Basislager zurücklassen mussten, wollten wir den Gipfel für Dich holen und Dir widmen. Doch auch das hat nicht sollen sein.

Am bittersten war der Moment, an dem wir umdrehen mussten. Es war früh am morgen, der Wind hatte die ganze Nacht ans Zelt gepeitscht. Auch jetzt machte er keine Anstalten nachzulassen. Eine weitere Wetterverschlechterung war angekündigt. In diesen Minuten wurde uns klar: Es ist vorbei. Wir kommen nicht rauf. Zumindest nicht dieses Mal. Das Umkehren fällt schwer und ist brutal. Wir haben unsere Sachen gepackt, die Zelte im Sturm zusammengefaltet, die Rucksäcke geschultert und sind schweigend abgestiegen. Ein paar Stunden später waren wir im Basislager – bei sommerlichen Temperaturen. Der Blick zurück war komisch: Der Berg strahlte, der Himmel war herrlich blau, nichts schien die Idylle zu trüben. Leise hörte man den Wind weiter oben pfeifen. Und dann kam diese Frage auf, die einem bis heute im Kopf hämmert: Haben wir die richtige Entscheidung getroffen?

Wir haben viel darüber diskutiert. Nach heutigem Stand wissen wir von drei Bergsteigern, die an unserem Gipfeltag den Gipfel erreicht haben. Viele andere haben es ebenfalls probiert – und sind gescheitert. Teilweise gerieten sie in Bergnot und mussten gerettet werden, teilweise erlitten sie schwere Erfrierungen. Das ist es nicht wert. Selbst das Gipfelkreuz, das viele Jahre fest verankert war, wurde vom Wind umgerissen. Und daher können wir für uns sagen: Wir haben richtig entschieden. Es macht keinen Sinn und ist unverantwortlich, sehenden Auges in eine Schlechtwetterfront zu laufen. Meistens gefährdet man sich nicht nur selbst, sondern auch andere.

Gerade das Wetter ist – wie schon mehrfach beschrieben – das größte Problem am Aconcagua. Ist man im Basislager, muss man sich zunächst akklimatisieren. Ist man dann bereit für den Gipfelgang, braucht man ein Wetterfenster von mindestens 72 Stunden. Tut sich das nicht auf, hat man keine Chance auf den Gipfel. Für einen zweiten Versuch reicht es selten – sei es, weil die Motivation nicht mehr da ist, sei es, weil die Genehmigung abläuft.

Dennoch war es ein tolles Abenteuer. Wir haben unendlich viele Eindrücke gesammelt und unvergessliche Erlebnisse gehabt. An dieser Stelle ein Dankeschön an alle, die uns unterstützt haben. Das sind einerseits die Ausrüsterfirmen wie Mammut, Deuter oder Polar, deren erstklassiges Material dem Wetter Stand gehalten hat. Andererseits bedanken wir uns für die vielen guten Wünsche, die wir über diese Internet-Seite aus ganz Deutschland erhalten haben. Vielen Dank auch an Dich, Bernd. Du hast diese Seite perfekt und rasend schnell aktualisiert. Vor allem aber danken wir unseren Freunden und Familien. Die ganzen Berggeschichten müssen mitunter schon nervtötend gewesen sein, oder? Doch die gute Nachricht ist: Es gibt auch eine Zeit nach dem Aconcagua. Sie beginnt jetzt. Bis zum nächsten Projekt. 

+++ 08.02.2009 +++ Gipfelbesteigung wegen Sturm abgebrochen
Wir sind zurück in Mendoza. Frank hat ja bereits einiges berichtet. Leider haben wir den Gipfel des Aconcagua nicht erreicht. Oder sagen wir mal so: Knapp verfehlt. Der Wind hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Als wir im Lager 2 ankamen, hat sich das Wetter dramatisch verschlechtert. Während der Wind zunahm, konnten wir gerade noch unsere Zelte aufstellen. Die ganze Nacht hindurch hat es dann wie verrückt gestürmt – Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h und Minus 35 Grad Celsius wurden gemessen. Andere Teams im Lager 2 haben in diesen Stunden fünf Zelte verloren. Wir mussten unsere Zelte nachts zusätzlich mit Steinen sichern.

Am nächsten Morgen war keine Besserung in Sicht. Und nicht nur das: Auch der Ausblick für die kommenden Tage versprach eine weitere Verschlechterung. Nach einigem Hin und Her haben wir die einzig richtige Entscheidung getroffen: den Abstieg ins Basislager. Sicherheit ging eindeutig vor – das haben wir versprochen und daran haben wir uns auch gehalten. An diesem Tag wagten ein Team aus der Türkei und ein Alleingänger aus Spanien den Aufstieg. Mit fatalen Folgen: Die Türken gaben der Reihe nach auf, gerieten teilweise in Bergnot und brauchten fremde Hilfe beim Abstieg. Der Spanier trudelte spätabends mit Erfrierungen dritten Grades an allen zehn Fingern im Basislager auf. Insgesamt wurden an diesem Tag in den verschiedenen Lagern neun Erfrierungen registriert.

Alles in allem ist es schade, dass wir wegen des Wetters keine echte Chance auf den Gipfel hatten. Er war zum Greifen nahe. Wir konnten bereits in die Gipfeltraverse einsehen. Zehn bis 12 Stunden Aufstieg haben uns zum höchsten Punkt gefehlt. Konditionell und mental hätten wir es wohl geschafft – auch wenn sich das jetzt komisch anhört.

Was bleibt, außer aufgeplatzten Lippen, blutunterlaufenen Zehen, zerschrundenen Gesichtern und verstaubten Klamotten? Über 60 Minuten Filmmaterial, gut 1.500 Bilder, eine Million unvergesslicher Eindrücke – und die Gewissheit dass es am Berg noch eine schönere Route gibt. Vielleicht kommen wir ja in ein paar Jahren noch mal zufällig in die Region...

Apropos: So ganz ohne Gipfel wollen wir dann doch nicht nach Hause kommen. Am Tag nach unserem Abstieg ins Basislager haben wir – irgendwie zum Trotz und aus Frust – den Cerro Bonete (5.004 m) bestiegen. Er liegt genau gegenüber vom Aconcagua.

Nach den körperlichen Anstrengungen der letzten Tage wollen wir uns nun den kulinarischen Höhepunkten Mendozas widmen – Rotwein und Rindfleisch. Am Freitag sind wir wieder in Deutschland. Dann "dürft" Ihr ein weiteres Mal unsere Bilder bewundern und unsere Geschichten anhören. Bis dahin viele Grüsse aus dem sonnigen Argentinien!

+++ 06.02.2009 +++ Bericht von Frank aus Mendoza
Am Montagmorgen stand für uns der entscheidende Check bei den Ärzten des Base Camps an. Für Matthias, Thorsten und Markus handelte es sich nur um einen Routinecheck. Tatsächlich zeigten alle maßgebenden Indikatoren wie Sauerstoffsättigung, Puls und Blutdruck ausgezeichnete Werte. Problematisch war es alleine für mich. Die bereits aus Deutschland mitgebrachte Erkältung war in der Höhe immer schlimmer geworden.

Bereits eine Minute nach Beginn der Untersuchung war alles klar: Das Abenteuer Gipfelaufstieg zum Aconcagua hatte für mich ein Ende. Nach einem Blick in den Rachen erklärte mir der Arzt, dass trotz mehrtägiger Einnahme von Antibiotika keinerlei Verbesserung eingetreten ist, sondern weiterhin alles vereitert sei. Ein Aufstieg sei daher absolut unmöglich. Zu groß ist die Gefahr, dass bereits angeschlagene Personen sich ein Lungenödem zuziehen. In der Höhe heilen Atemwegserkrankungen schlichtweg nicht.

Da war es auch kein Trost, dass alle anderen Werte sehr gut waren. Das so lange geplante, so lange vorbereitete Unternehmen hatte ein jähes Ende genommen. Von ärztlicher Seite aus wurde als Sofortmaßnahme vorgeschlagen, dass ich mit dem nächsten Hubschrauber ausgeflogen werden sollte. Nach Puente del Inca auf 2700 m Höhe. Eine Ausheilung der Angina würde erst in tieferen Lagen stattfinden können.

Nach der ersten Enttäuschung, der Wut und dem Frust über diese Situation machte sich schnell Realismus breit. Wenn es nicht geht, geht es eben nicht. Dann muss man es akzeptieren. Da ich nach Eintreffen des nächsten Helikopters innerhalb von zehn Minuten am Startplatz stehen musste, packte ich sofort meine Sachen zusammen. Doch auch für Thorsten, Matthias und Markus hatte mein Ausfall Folgen. Bisher teilten sich jeweils zwei Mann ein Zelt. Wir überlegten, ob der weitere Aufstieg mit einem oder zwei Zelten stattfinden sollte. Unser Guide ließ ihnen zwar die Wahl, betonte aber, dass der Aufenthalt alleine in einem Zelt in den Höhen der Hochlager "very, very cold" sei. Seine Empfehlung, dass sich die drei Verbleibenden ein Zelt teilen, wurde daher sofort akzeptiert. Allerdings wird es für die drei nun sehr, sehr eng.

Am Dienstag morgen um 11:10 Uhr Ortszeit brachen Thorsten, Matthias und Markus zum ersten Hochlager, Camp Canada auf 5.050 m Höhe, auf. Wehmütig sah ich ihnen nach. Wie gerne wäre ich mit dabei gewesen! Zwei Tage zuvor waren sie ja bereits schon einmal zum Camp Canadá aufgestiegen, in unter drei Stunden. Doch nun mussten sie etwa 16 bis 18 Kilogramm an persönlichen Sachen mitschleppen. Weniger war nicht machbar. Dabei handelt es sich ausschließlich um Dinge, die absolut unverzichtbar sind für einen Aufstieg in diese Höhen. Unnötiges, wie beispielsweise Bücher, wurden rigoros aussortiert. Der Rucksack selbst wiegt bereits drei Kilogramm, dazu kommt der Schlafsack, die Isomatte, die komplette Bekleidung gegen Kälte (fünf Schichten Oberbekleidung), drei Paar Handschuhe, Gletscherbrille, Sturmhaube, Mütze, Stirnlampe, Energieriegel und nicht zu vergessen drei Liter Wasser.

Dieses Gewicht auf Meereshöhe zu tragen oder in den Alpen ist die eine Sache. Sich aber mit 18 Kilogramm auf über 5.000 m emporzuarbeiten, gleicht wahrlich einem Kampf. Mühsam wanderten sie zusammen mit mehreren anderen Gruppen, die wir in den letzten Tagen kennen gelernt hatten, den steilen Weg empor. Noch eine Stunde lang konnte ich ihren Aufstieg verfolgen, bevor sie hinter einem Felsgrat aus meiner Sicht verschwanden. Mir blieb nur noch, auf Nachrichten von Ihnen zu warten – und auf den Hubschrauber. Der sollte jedoch auch den gesamten Dienstag nicht eintreffen, wegen schlechtem Wetter und starken Winden. Von anderen Guides wurde abends berichtet, dass sie das erste Hochlager gut erreichten und dort alles in Ordnung sei.

Beim Abendessen lernte ich dann Mitglieder anderer Gruppen kennen, die das zweite Hochlager, Nido de Condores, zwar erreichten, nach einer kalten und windgepeitschten Nacht mit Massen an Schnee jedoch abstiegen. Da ist der Deutsche Martin, der seit 25 Jahren in den USA lebt und drei Jahre vorher ebenfalls auf dem Kili stand. Dann Joe, gebürtiger Kubaner, der "Firefighter" (Feuerwehrmann) aus Miami. Er zeigt uns abends Videosequenzen von seinem Einsatz in New Orleanes während des Hurrikans Katrina sowie von einer Besteigung des Elbrus bei schlechtesten Bedingungen.

Diese Nacht war die bis dahin Kälteste im Base Camp. Die Temperaturen fielen auf minus neun Grad. 700 Höhenmeter weiter oben wird es sicherlich gegen minus 15 Grad gehabt haben. Definitiv kein Spaß mehr.

Am Mittwochmorgen war ich dann wieder beim Arzt einbestellt, der mich erneut gründlich untersuchte. Wieder war keinerlei Besserung eingetreten, weshalb er dringend zu einem Abstieg in tiefere Lagen riet. Mit dem Hubschrauber war auch heute nicht zu rechnen, da der Wind weiterhin viel zu stark war. Da er mir, von der Angina abgesehen, ansonsten eine gute Kondition bescheinigte, schlug er vor, dass ich versuchen sollte, mit einer anderen Gruppe gemeinsam abzusteigen.

Während dem Abendessen denken wir an unsere Freunde, die oben in den Hochlagern in der Kälte in engen Zelten lagen. Die anderen trinken genüsslich zwei oder drei Bier, die unterwegs geplante große Feier findet jedoch nicht statt – zu kaputt sind alle. Ich unterhalte mich noch eine Weile mit der Deutschen Anke, die bereits seit drei Monaten unterwegs ist und noch weitere drei Monate vor sich hat. Ihr Abenteuer begann mit einer Schiffsreise in der Antarktis, wo sie noch überall hinkommt, weiß sie selber nicht. Doch gerade diese Freiheit genießt sie besonders.

Kurz entschlossen schloss ich mich den am Vorabend kennen gelernten an, die gerade aufbrechen wollten. Nach sieben Stunden Abstieg, fast 30 Kilometern Länge und 1.600 Höhenmetern erreichten wir abends kurz vor 20 Uhr Puente del Inca. Wenige Tage zuvor saßen wir hier noch in T-Shirts, nun musste die warme Daunenjacke her.

Am Donnerstag abend bin ich dann in dem sommerlich heißen Mendoza angekommen. Innerhalb von 36 Stunden von minus 9 Grad auf plus 31 Grad. Obwohl sich nach Auskunft des Arztes sich die Angina während des langen Heimfluges nach Deutschland wieder verschlechtern kann, entschließe ich mich trotz dieser herrlichen Temperaturen, meinen Heimflug umzubuchen. Bereits am Freitag kann ich fliegen, während die anderen an diesem Abend hoffentlich die gelungenen Gipfelbesteigung feiern werden, im Camp Cholera auf fast 6.000 m Höhe. Ich freue mich jetzt schon, sie bald wieder zusehen und zu hören, was sie alles erlebt haben.

+++ 02.02.2009 +++ Bericht aus dem Basislager
Hallo nach Deutschland. Mittlerweile haben wir uns hier im Basislager eingelebt. Im Laufe der Zeit gewöhnt man sich halt an das Wechselspiel aus brennender Hitze und eisiger Kälte, an den permanenten Wind, an die Plumpsklos, an das salzarme Essen, an den Gestank und an den Staub. Heute haben wir wieder einen Ruhetag, so dass wir uns ein wenig erholen können – soweit das auf 4.300 m Meereshöhe möglich ist. Wir vertreiben uns die Zeit mit Karten spielen, Lesen, Dösen und Trinken (Wasser!). Idealerweise trinkt man hier sechs Liter Wasser am Tag, um den Flüssigkeitsverlust halbwegs auszugleichen und keine Kopfschmerzen zu bekommen.

Vorgestern hatten wir ja unseren ersten Ruhetag. Abends mussten wir wieder einmal zum Arzt. Das ist hier Vorschrift. Unsere Sauerstoffsättigung ist wie im Lager zuvor bestens, die Werte liegen zwischen 84 und 94 Prozent. Dennoch hatte der Doc einige Anmerkungen: Markus und ich sollen weniger Rauchen, Matthias muss mehr Trinken. Bei Frank sieht es leider weniger gut aus: Er hat eine spezielle Angina und muss Antibiotika nehmen. Leider konnte er deshalb gestern nicht mit zum Lager 1 aufsteigen.

Wir drei sind gestern morgen um zehn Uhr aufgebrochen. Für die 700 Höhenmeter ins Camp Canada auf 5.050 m haben wir 2:55 Stunden gebraucht – über eine Stunde weniger als üblich. Die Bedingungen waren aber auch perfekt: Wenig Wind und relativ kühl. Da geht es sich leichter. Nach einer halbstündigen Rast sind wir in einer Stunde wieder im Basislager gewesen.

Heute haben wir wieder einen Ruhetag. Frank muss nochmals zum Arzt. Dann wird sich entscheiden, ob er morgen mit uns in Richtung Gipfel aufbrechen kann. Unsere Bergführer Mickey und Leo haben bereits das Material für die Hochlager vorbereitet: Unsere Träger werden die Camps mit insgesamt 150 Kilogramm Ausrüstung versorgen. Der Plan sieht so aus:

Dienstag: Basislager nach Camp Canada 5.050 m; Übernachtung
Mittwoch: Camp Canada nach Nido de Condores 5.560 m; Übernachtung
Donnerstag: Nido de Condores nach Camp Cholera/Berlin 6.000 m; Übernachtung
Freitag: Von Camp Cholera/Berlin zum Gipfel und zurueck zu Camp Cholera/Berlin; Übernachtung
Samstag: Abstieg ins Basislager

Wenn alles glatt geht, gehen wir also Freitag morgen um fünf Uhr (9 Uhr MEZ) in Richtung Gipfel. Um 15 Uhr (19 Uhr MEZ) sollten wir dort sein – wenn die Kondition und das Wetter passen. Leider soll das Wetter in den nächsten Tagen etwas schlechter werden. Haben wir kein Wetterglück, wird es mit dem Gipfel definitiv nichts werden.

Unsere beiden Bergführer haben bereits gesagt, dass die Sicherheit das allerwichtigste ist. Wenn wir am Freitag zum Gipfel aufbrechen, dann nur bei guten Bedingungen und als geschlossene Gruppe. Keiner darf alleine zum Gipfel gehen oder alleine absteigen. Sollte Frank mit an Bord sein, heißt das: Wenn einer umdrehen muss, geht ein Bergführer mit zurück. Die anderen gehen weiter. Muss später noch jemand umdrehen, sind alle raus! Also, drückt uns die Daumen. Wir melden uns spätestens Sonntag wieder. Bis dahin viele Grüsse!

+++ 31.01.2009 +++ Basislager erreicht
Hallo nach Deutschland. Nach einem neunstündigen Marsch haben wir gestern das Basislager erreicht. Alles in allem geht es uns gut – den Umständen entsprechend. Frank plagt sich noch immer mit seiner Erkältung, wir haben immer mal wieder Kopfschmerzen. Allerdings ist das kein Wunder, sind wir doch bereits fast auf Höhe des Matterhorns.

Die letzten Tage haben uns schwer geschlaucht. Wir sind von Mendoza nach Puente del Inca (2.700 m) gefahren und von dort ins Zwischenlager nach Confluencia (3.400 m) gewandert. Anschließend haben wir eine Tagestour zur Südwand des Aconcagua gemacht. Die Wand ist beeindruckend – vom Fuß bis zum Gipfel sind es fast 3.000 Meter Höhenunterschied. In Confluencia wurden wir außerdem vom Arzt durchgecheckt. Alles bestens: Unsere Sauerstoffsättigung liegt zwischen 89 und 94 Prozent.

Alles in allem fühlen wir uns aber, als wären wir schon Wochen am Berg unterwegs. Der Aconcagua ist viel intensiver und härter als der Kilimandscharo. Tagsüber brennt die Sonne vom Himmel, es hat bis zu 35 Grad Plus. Abends fällt das Thermometer ins Bodenlose. Wir wundern uns mittlerweile überhaupt nicht mehr, warum nur 30 Prozent aller Bergsteiger den Gipfel erreichen.

Unsere beiden Bergführer Miguel ("Micky") und Leo haben den Gipfel bereits 17 beziehungsweise neun Mal bestiegen. Mal sehen, wie weit wir kommen werden. Ehrlich gesagt sind wir sehr skeptisch geworden. Wenn nur einer den höchsten Punkt erreichen sollte, wäre das eine tolle Leistung. Heute haben wir nach dem anstrengenden Anmarsch erst Mal einen Ruhetag. Wir werden und müssen dringend ein wenig Körperpflege betreiben und uns ausruhen. Morgen steigen wir ins erste Lager – Camp Canada – auf. Damit überschreiten wir erstmals die Marke von 5.000 m. Danach geht es wieder runter. Dieser Ausflug dient der Höhenanpassung.

Am Dienstag wollen wir Richtung Gipfel aufbrechen. Die Etappe geht über Camp Canada (5.050m), Nido de Condores (5.560m) und Camp Cholera (6.000 m) zum höchsten Punkt. In den drei Camps werden wir jeweils übernachten. Damit würden wir am Freitag morgen gegen fünf Uhr (9 Uhr MEZ) zum Gipfel aufbrechen. Der Anstieg dauert etwa zehn Stunden – wenn das Wetter uns die Kondition passen. Von hier aus nochmals viele Grüsse. Wir melden uns am Montag noch mal, wenn wir erstmals im Hochlager waren.

+++ 26.01.2009 +++ Ankunft in Mendoza
Den ersten Höllentrip haben wir bereits hinter uns: Die Anreise. Am Montag um 12 Uhr (ARG Time) sind wir in Mendoza gelandet (16 Uhr in Deutschland). Damit waren wir 26 Stunden unterwegs. Das wichtigste aber ist: Das Gepäck ist vollständig angekommen. Jetzt sitzen wir im Hotel Executive, mitten in der Innenstadt von Mendoza. Matthias und Frank haben ihr Zimmer bereits bezogen, das von Markus und mir ist leider noch nicht bereit. Daher nutzen wir die Gelegenheit für einen ersten kleinen Lagebericht aus dem Foyer des Hotels.

Beim Zwischenstopp in Atlanta hatten wir sechs Stunden Zeit, die wir uns mit Fast-Food, ein paar kühlen Bier und noch viel mehr Zigaretten vertrieben haben. Dann ging es neun Stunden nach Santiago de Chile, anschließend noch 45 Minuten nach Mendoza. Aus dem Flugzeug haben wir den Aconcagua bereits bestaunen können. Am Flughafen wurden wir von Aymara, unserer Trekking-Agentur, abgeholt. Im Gegensatz zu Deutschland hat es hier angenehme 32 Grad und die Sonne strahlt vom Himmel. Wenn wir unsere Zimmer bezogen haben, treffen wir unseren Bergführern und werden noch etwas Geld wechseln. Zwischen vier und sechs gibt es Kaffee und Kuchen, heute abend wollen wir uns ein leckeres argentinisches Steak gönnen – und natürlich auch den Rotwein testen.

Hier in der Lobby haben wir gerade ein paar Bergsteiger aus England getroffen. Die Gruppe kam gerade vom Aconcagua zurück. Nach deren Bericht sieht es gar nicht so gut aus: Im Bereich oberhalb von 6.000 m hat es knöcheltief Schnee und sehr starken Wind. Von zehn Leuten haben nur drei den Gipfel erreicht. Und ehrlich gesagt: Die Jungs sehen aus, als hätten sie was auf dem Kasten.

Wie auch immer: Morgen geht es los. Dann fahren wir nach Puente del Inca und werden bis Freitag ins Basislager marschieren. Angeblich soll sich das Wetter, also der Wind, etwas bessern. Einstweilen viele Grüsse und bis bald.

+++ 13.01.2009 +++ Zeitplan Aconcagua
Insgesamt sind wir 17 Tage in Argentinien. Für die Gipfelbesteigung des Aconcagua ist das ein relativ enges Zeitfenster. Von Mendoza, das auf rund 800 m Meereshöhe liegt, sind es immerhin 6.100 Höhenmeter bis zum Gipfel.

Wenn wir es auf den höchsten Punkt schaffen wollen, brauchen wir neben einer hohen persönlichen Leidensfähigkeit und Ausdauer auch großes Glück mit dem Wetter. Viele Gipfelversuche scheitern an der eisigen Kälte, an stürmischen Winden, an zu viel Schnee – oder einer Kombination aus allem.

Hier der vorläufige Zeitplan. Das Basislager heißt Plaza de Mulas, kurz PdM. Die Hochlager sind Camp Canadá (5.050 m), Nido de Cóndores (5.560 m) und Camp Berlin (5.930 m). Die meisten Gruppen lassen Camp Canadá beim Gipfelgang aus, so dass man vom Basislager bis zum Gipfel drei Tage benötigt.

Datum
Tag Ort / Lager / Route
erreichte Tageshöhe
erreichte Schlafhöhe
26.01.
Mo
Ankunft Mendoza
824 m
824 m
27.01. Di Mendoza – Puente del Inca
2.725 m 2.725 m 
28.01. Mi Puente del Inca – Confluencia 3.410 m
3.410 m 
29.01. Do Confluencia – Plaza Francia – Confluencia
4.100 m 3.410 m 
30.01. Fr Confluencia – Basislager Plaza de Mulas (PdM)
4.260 m 4.260 m 
31.01. Sa PdM (leichte Wanderung / Regeneration)
– 4.260 m 
01.02. So PdM – Camp Canadá – PdM
5.050 m 4.260 m 
02.02. Mo PdM – Camp Canadá – Nido de Cóndores
5.560 m 5.560 m 
03.02. Di Nido de Condores – PdM5.560 m 4.260 m 
04.02. Mi PdM (leichte Wanderung / Regeneration)4.260 m
05.02. Do PdM – Camp Canadá – Nido de Cóndores5.560 m 5.560 m 
06.02. Fr Nido de Cóndores – Camp Berlin5.930 m 5.930 m 
07.02. Sa Camp Berlin – Gipfel – Camp Berlin6.962 m 5.930 m 
08.02. So Camp Berlin – PdM5.930 m 4.260 m 
09.02. Mo PdM – Puente del Inca4.260 m 2.725 m 
10.02. Di Puente del Inca – Mendoza2.725 m 824 m 
11.02. Mi Rückreise (abends)
– 

+++ 12.01.2009 +++ Zeitplan und Ablauf
Der Countdown läuft: In weniger als zwei Wochen brechen wir auf nach Argentinien. Während der Tour wollen wir auf dieser Internetseite eine Art Tagebuch führen. Im Basislager und in den Hochlagern des Aconcagua hat man leider keinen Mobilfunkempfang. Dennoch kann man im Zelt eines findigen Geschäftsmannes E-Mails verschicken.

Wir wollen idealerweise jeden zweiten Tag einen kurzen Bericht senden. Bernd Maar, unser technischer Leiter zu Hause, wird den Text dann einbauen und online stellen. Von der Uhrzeit her sind wir am Aconcagua vier Stunden zurück, bezogen auf die Mitteleuropäische Winterzeit (MEZ). Wer sich in der Rubrik "Kontakt" mit dem Stichwort "Tagebuch" vor unserem Abflug registriert, bekommt automatisch eine E-Mail, wenn die Tagebuchseite aktualisiert wurde. Wir sind unterwegs vom 25. Januar bis 13. Februar 2009.

Hinflug: Sonntag, 25. Januar 2009, 10.50 Uhr / Stuttgart
Mit Delta Airlines von Stuttgart über Atlanta (USA) und Santiago de Chile (Chile) nach Mendoza (Argentinien).
Ankunft ist Montag, 26. Januar 2009 um 11.30 Uhr in Mendoza.

Rückflug: Mittwoch, 11. Februar 2009, 19.10 Uhr / Mendoza
Mit Delta Airlines von Mendoza (Argentinien) über Santiago de Chile (Chile) und Atlanta (USA) nach Stuttgart.
Ankunft ist Freitag, 13. Februar um 8.50 Uhr (MEZ) in Stuttgart.