Planung
Elbrus, 5.642 m, Russland, Europa

Der Elbrus, höchster Berg in Europa, bietet – wie der Kilimandscharo und der Aconcagua – einen guten Einstieg ins Höhenbergsteigen. Er ist vor allem deshalb so beliebt, weil er einer der Seven Summits ist. Eine begehrte Trophäe im Tourenbuch. Viele der großen Bergsteiger standen daher bereits auf seinem Gipfel, allen voran Reinhold Messner (IT).

Im Jahr 1888 erreichte Albert Frederick Mummery den höchsten Punkt des Elbrus. Der Engländer ist eine Legende. Ihm gelangen im 19. Jahrhundert zahlreiche Erstbegehungen, etwa der Zmuttgrat am Matterhorn (4.477 m) oder die Brenvaflanke am Mont Blanc (4.807 m). Im Sommer 1895 versuchte Mummery die Erstbesteigung des Nanga Parbat (8.125 m) im Karakorum. Seit seinem Aufstieg am 24. August 1895 wurde er nie mehr gesehen. Es ist ohne Frage etwas besonderes, den Spuren diesem mutigen und großen Abenteurer zu folgen.

   
Blick auf den Elbrus; der 5.641 m hohe Westgipfel im Hintergrund (l.); Blick vom Westgipfel auf den 5.621 m hohen Ostgipfel (r.)

Schwierigkeitsgrad
Ja, wie schwierig ist er, der Elbrus? Die meisten Seven-Summits-Bezwinger formulieren es ganz allgemein so: Er ist schwieriger als der Kilimandscharo, aber leichter als der Aconcagua. Im Detail kommt es aber darauf an, wie der Begriff schwierig definiert wird. Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen den Schwierigkeiten in Sachen Höhe und den Schwierigkeiten in Bezug auf die technischen Anforderungen in Bezug auf die Route.   

In puncto Höhe gibt es auf den ersten Blick nichts zu rütteln: Der Elbrus erreicht 5.642 m, der Kilimandscharo 5.895 m. Das macht eine Differenz von 253 Höhenmetern. Sprich: Wer auf den Kili kommt, kommt erst recht auf den Elbrus. Das kann sein, muss aber nicht. Denn wer einmal relativ problemlos auf fast 6.000 m war, muss dies nicht ein zweites Mal schaffen. Zudem ist der Elbrus in Bezug auf den Sauerstoff mindestens so hoch wie der Kilimandscharo. Das liegt an der Rotation der Erde. Die Fliehkraft ist am Äquator am stärksten, zum Nord- und Südpol hin nimmt sie ab. Das führt am Äquator zu einer Ausdehnung der Atmosphäre nach oben.

Da die Luft im Gegensatz zum Wasser ein zusammendrückbares Medium ist, heißt das auch: An den Polen hat man in gleicher Höhe einen geringeren Sauerstoffgehalt als am Äquator. Auf gut deutsch: Je weiter der Berg vom Äquator entfernt ist, desto geringer ist der Sauerstoffgehalt am Gipfel. Zum Vergleich: Der Kilimandscharo liegt nur 300 Kilometer vom Äquator entfernt, der Elbrus mehr als 2.500 Kilometer. So gesehen dürften beide Berge in Sachen Höhe und Sauerstoff gleich zu bewerten sein. Wenn man pauschal von wenig Sauerstoff spricht, bedeutet das eigentlich, dass der Luftdruck mit zunehmender Höhe absinkt. Damit wird auch der Sauerstoff-Partialdruck geringer.

Gemessen an den technischen Schwierigkeiten steht der Elbrus sowohl über dem Kilimandscharo, als auch über dem Aconcagua. Denn im Gegensatz zu den anderen beiden Bergen – an denen es in der Hauptsaison praktisch relativ wenig Schnee gibt – ist die Besteigung Elbrus eine reine Eis- und Gletschertour. Die Flanken sind meist zwischen 20 und 30 Grad steil und teilweise von Blankeis durchzogen. So gesehen kann man alles in allem nur zustimmen: Der Aconcagua ist schwieriger als der Elbrus – rein wegen seiner enormen Höhe. Der Kilimandscharo ist dagegen deutlich leichter – vor allem, weil Gelände und Wetteranfälligkeit eben kein Problem darstellen. 

Reisezeit, Route, Anbieter
Hauptsaison am Elbrus ist in den Monaten Juli und August, vergleichbar mit Hochtouren in den Westalpen. Das bezieht sich auf die klassische Gipfelbesteigung. Die Skitouren finden in der Regel im Mai statt. In den nächsten Monaten werden hoffentlich wir unseren Termin fixieren. Alles in allem werden wir rund eine Woche unterwegs sein. Eine Skitour hätte dabei einen besonderen Reiz: Vom Gipfel lockt bei guten Verhältnissen die längste Geländeabfahrt Europas – fast 3.500 Höhenmeter geht es bergab. Das ist, als würde man von Gipfel des Mount Everest (8.850 m) bis in dessen Basislager (5.360 m) abfahren.

Sollten wir unser neues Projekt verwirklichen können, ist die Aufstiegsroute klar: Wir nehmen den Normalweg von Süden. Das ist die sicherste Variante. Talort ist Terskol/Azau (Asau) auf gut 2.100 m Höhe. Ausgangslager für den Gipfel sind entweder die so genannten Barrel Huts (3.800 m) oder die Diesel Hut (4.200 m). Man kann aber auch direkt daneben in Zelten übernachten. Die Barrel Huts sind alte Ölfässer, die Platz für vier bis sechs Personen bieten. Die Diesel Hut wurde direkt unterhalb der ausgebrannten Prijut 11 aufgebaut. In beiden Unterkünften findet man ein Matratzenlager vor. Vom jeweiligen Ausgangslager geht es vorbei am den Pastuchow-Felsen (4.700 m) auf den Sattel (5.400 m) zwischen West- und Ostgipfel. Die Route ist bei guten Verhältnisse gut erkennbar und meistens gespurt. Am Sattel hält man sich links in Richtung Westgipfel (5.642 m).

    
Elbrus-Karte mit Aufstiegsroute (l.); Talort Terskol auf rund 2.100 m Höhe (r.)

Egal von wo man startet: Die Besteigung des Elbrus bringt eine lange Gipfeletappe mit sich. Im Gipfelbereich wird es zunehmend steiler. Von der Diesel Hut sind es immerhin mehr als 1.400 Höhenmeter, von den Barrel Huts gar über 1.800 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt. Für den Aufstieg von den Barrel Huts bis zum Gipfel benötigt man in der Regel acht bis zehn Stunden. Bei guten Verhältnissen und stabilem Wetter mahnt der Elbrus aber nicht wirklich zur Eile und es gibt auch kein allgemein gültiges Zeitlimit für einen Umkehrpunkt. Eine Stirnlampe sollte man so oder so im Gepäck haben. In der Hochsaison ist der Weg meistens mit ein paar Fähnchen markiert. Um das Risiko eines Spaltensturzes zu minimieren, bietet es sich an, der "offiziellen Ausschilderung" zu folgen und nicht großartig vom Weg abzuweichen.

Problematisch können allerdings die Wetterumschwünge am Elbrus sein. Die Palette reicht von windstill und heiß bis hin zu stürmisch und eiskalt. Der Berg und seine Nähe zum nur 100 Kilometer entfernten Schwarzen Meer haben ein extrem launisches Wetter zur Folge. Gerade im Gipfelbereich kann es innerhalb weniger Minuten umschwenken. Nebel erschwert dann oftmals die Orientierung. Oberhalb vom Sattel wurden auch schon Temperaturen von Minus 50 Grad Celsius gemessen. Nicht selten kehren Bergsteiger mit Erfrierungen zurück.

Zahlreiche Bergsportveranstalter bieten geführte Touren auf den Elbrus an. Das ganze ist als All-inklusive-Reise ab Deutschland buchbar. Darauf werden wir – wie auch schon am Kilimandscharo und am Aconcagua – mit Sicherheit verzichten. Wenn wir einen Bergführer engagieren, dann einen aus der Region. Das hat zwei grundlegende Vorteile: Man lernt Land und Leute wesentlich besser kennen als mit einem westlichen Guide – und es ist wesentlich günstiger. Man spart deutlich mehr als die Hälfte im Vergleich zu einem kommerziellen Anbieter. So wie es jetzt aussieht, werden die Kosten für den Elbrus bei weniger als einem Fünftel unseres Aconcagua-Budgets liegen. 

   
Aufstieg auf den Flanken des Elbrus (l.); Blick auf den Doppel-Gipfel (r.)

Impfungen
Bei der Einreise nach Russland und für den Aufenthalt bestehen keinerlei Impfvorschriften. Dennoch werden Impfungen gegen die folgenden Krankheiten empfohlen: Diphtherie, Hepatitis A und B, Kinderlähmung, Meningokokken-Meningitis und Tetanus. Bei Reisenden, die mit verschmutztem Wasser oder kontaminierten Lebensmitteln in Berührung kommen können, empfiehlt sich die Impfung gegen Cholera und Typhus. Der Schutz gegen Tollwut empfiehlt sich für Reisende, die mit den Überträgertieren in Kontakt kommen können. 

Anreise, Visa, Versicherungen
Die meisten deutschen Bergsteiger, die zum Elbrus wollen, fliegen nach Mineralnye Vody (MRV; Mineralniye Vody), eine Bäderstadt im nördlichen Kaukasus. Die deutsche Übersetzung von Mineralnye Vody lautet Mineralwasser. Von dort sind es etwa vier Stunden Busfahrt in Richtung Süden (rund 210 Kilometer) durch das Baksantal zum Elbrus-Talort Terskol. Der Ort ist eine kaukasische Bergsteigermetropole, das Tal ist sowohl im Sommer als auch im Winter beliebt bei Gästen aus Russland und der ganzen Welt. Mineralnye Vody erreicht man von Deutschland aus in der Regel per Direktflug von München oder über eine Umsteigeverbindung über Moskau.

Für die Einreise nach Russland wird grundsätzlich ein drei Monate über die Reise hinaus gültiger Reisepass benötigt. Für deutsche Staatsangehörige besteht zudem Visumpflicht bei der Ein- und Ausreise. Die Einreise in die Russische Föderation ist mit folgenden Visa möglich: Touristen-, Geschäfts-, Privat-, Mehrfach- oder Dauervisum. Das Touristenvisum hat eine Gültigkeit von einem Monat und kostet knapp 50 Euro. Das Visum muss vor der Einreise bei einer der russischen Auslandsvertretungen beantragt und eingeholt werden. Die Bearbeitungszeit beträgt sieben bis 14 Tage. Für Deutsche besteht bei außerdem Krankenversicherungspflicht. Bei den russischen Botschaften ist eine Liste mit den akzeptierten Versicherungsunternehmen erhältlich. Bei der Visabeantragung muss ein Versicherungsschein vorgelegt werden.

Neben dem Versicherungsschein müssen weitere Unterlagen für den Visa-Antrag eingereicht werden: Das vollständig ausgefüllte Antragsformular, ein aktuelles Passbild, ein gültiger Reisepass mit mindestens einer freien Seite, eine Reisebestätigung eines russischen Reiseveranstalters, ein Buchungsbeleg des Hotels zusammen mit der Akkreditierungsnummer des Hotels beziehungsweise dem Nachweis einer Privatunterkunft, ein Rückflugticket (Fotokopie) und die Visagebühr (abgestempeltes Original des Zahlungsbelegs bei Überweisung). Idealerweise beauftragt man eine Agentur mit der Visa-Beschaffung. Das geht schnell, unkompliziert – und auf dem Postweg.

Bei der Einreise besteht obendrein eine Anmelde- beziehungsweise Registrierungspflicht. Diese Anmeldung (Migrationskarte) muss innerhalb von drei Werktagen bei der zuständigen Migrationsbehörde (FMS) über den Gastgeber erfolgen – zum Beispiel den russischen Partner des deutschen Reisebüros, das Hotel oder die Agentur vor Ort erfolgen (unter "einladende Organisation" im Visum aufgeführt).

Geld
Die Landeswährung in der Russischen Föderation ist der Rubel (Rbl, RUB als ISO-Code). Ein Rubel entspricht 100 Kopeken. Derzeit sind folgende Geldscheine gültig und im Umlauf: 5, 10, 50, 100 und 500 Rubel. Münzen gibt es in den Nennbeträgen 5, 2 und 1 Rubel sowie Kopeken im Nennwert von 1, 2, 5, 10 und 50. Bargeld bekommt man an Bankautomaten per EC- oder Kreditkarte. Allerdings variiert die Höhe der Auszahlung von Bank zu Bank. Euro kann man auch an Wechselstuben in Rubel tauschen. Bei der Einfuhr von Bargeld sollte man sich vorher über die gängigen Bestimmungen informieren. Möglicherweise muss eine entsprechende Zollerklärung ausgefüllt werden. 

Ausrüstung
Die Ausrüstungsliste vom Aconcagua brauchen wir für den Elbrus nur unwesentlich zu verändern. Der größte Unterschied liegt in der Tatsache, dass der Elbrus eine Gletschertour ist. Das erfordert zusätzliches Material, zum Beispiel Klettergurte, HMS-Karabiner, Normalkarabiner, Eisschrauben, Reepschnüre, 50-60 m Einfachseil. Hier eine grob zusammengestellte Liste der benötigten Utensilien:

Körper







– Daunenjacke
– Gore-Tex-Jacke
– Softshell-Jacke / Fleece
– Gore-Tex-Hose
– Softshell-Hose
– Trekking-Hose
– Regenüberhose
– Unterbekleidung
Füße / Hände






– Expeditionsbergstiefel
– Trekking-Schuhe
– Socken
– Gamaschen
– Steigeisen
– 1 Paar Überhandschuhe
– 2 Paar Handschuhe (Softshell)
Kopf






– Sonnenhut / Baseball-Mütze
– Sturmhaube
– Mütze (Fleece oder Wolle)
– Halstuch
– Sonnenbrille
– Gletscherbrille
– Skibrille
Transport



– Trekking-Rucksack (mind. 70 Liter)
– Tagesrucksack (mind. 32 Liter)
– Regenhüllen für die Rucksäcke
– Tüten / Beutel (wasserdicht)
Material




















– Eispickel
– HMS-Karabiner, Normalkarabiner
– Eisschrauben
– 50-60 m Einfachseil
– Reepschnüre
– Klettergurt
– Teleskopstöcke
– Thermosflasche
– Trinkflaschen oder Camel-Bag
– Stirnlampe (+ Batterien)
– Uhr / Höhenmesser / GPS
– Expeditionsschlafsack (Komfortbereich von –10 bis –20 Grad Celsius)
– Isomatte
– Trekkinghandtuch
– Waschlappen
– ggf. Inlay (Seide) für Schlafsack
– ggf. Zelt für Hochlager
– ggf. Kocher + Gas
– ggf. Kochgeschirr
– ggf. Tourenski
– ggf. Tourenskistiefel
Sonstiges


















– Digitalkamera
– Ersatzbatterien / Ersatzakkus
– Buch, Schreibzeug, Karten, MP3-Player
– Sonnencreme, Sunblocker, Lippenschutz
– Hygieneartikel
– Reiseapotheke
– Erste-Hilfe-Set, Tapeband
– Ohropax
– Taschenmesser
– Feuerzeug, Streichhölzer
– Nahrungsmittel
– Energieriegel
– Toilettenpapier
– Taschentücher
– Reisepass (+ Kopie)
– Impfausweis (+ Kopie)
– Bargeld, EC- und Kreditkarte
– Flugtickets
– Versicherungsschein Krankenversicherung
(Quellen: eigene Recherche, mountain.ru, touchthetop.com, Wikipedia)