Planung
Kilimandscharo, 5.895 m, Tansania, Afrika

Jedes Jahr wollen mehr als 20.000 Menschen rauf, aber nur die Hälfte erreicht ihn – den Gipfel des Kilimandscharo. Das liegt weniger daran, dass die Leute untrainiert den Berg hochlaufen. Im Gegenteil. Wer zum Kili fährt, ist in der Regel vorbereitet. Allerdings gilt der Kilimandscharo als Einstieg ins Höhenbergsteigen – und ist für die allermeisten Anwärter der erste Gipfel außerhalb der Alpen. Waren die meisten Aspiranten bislang nur in Regionen um 4.000 m, geht es nun bis knapp unterhalb von 6.000 m. Der Kilimandscharo ist auch deshalb so beliebt, weil er ein reiner Wanderberg ist und fast keine Kletterstellen hat. Außerdem ist er einer der so genannten "Seven Summits", einer der jeweils höchsten Gipfel der sieben Kontinente.

       
Aufstieg in 4.000 m Höhe (l.); Kurz vor dem Uhuru Peak (M.); am Gipfel angekommen (r.) 

Wir selbst hatten aus einer Bierlaune heraus beschlossen, den Kilimandscharo in Angriff zu nehmen. Keiner von uns war vorher jemals über der Marke von 4.000 m, wir hatten also praktisch keine Erfahrung in höheren Regionen. Eine große Hilfe waren im Vorfeld die Berichte anderer Kilimandscharo-Besteiger. Dazu wollen wir unseren Teil beitragen.


Reisezeit, Route, Anbieter
Wer den Kilimandscharo besteigen möchte, fährt im Vorfeld automatisch zweigleisig. Während einerseits die gesamte Logistik läuft (Ausrüstung, Flugbuchung, Impfungen etc.), muss man sich nebenbei auch körperlich vorbereiten. Wir wollten im Oktober 2007 nach Tansania reisen, weil es aus beruflichen Gründen nicht anders ging. Der Startschuss für unser Abenteuer fiel im Februar 2007, also rund acht Monate vorher.

Zunächst standen drei ganz grundsätzliche Entscheidungen an. Erstens: Welche Route wählen wir? Zweitens: Wann wollen wir los? Und drittens: Mit welchem Anbieter gehen wir? Die Wahl der Route fiel relativ schnell auf die so genannte Machame-Strecke. In den Erfahrungsberichten anderer Wanderer und in Empfehlungen diverser Trekking hieß es häufig, diese Route sei die landschaftlich schönste Tour. Daneben ist die Machame-Route weit weniger überlaufen als der Normalweg über den Marangu-Trail und gleichzeitig etwas anspruchsvoller. Hinzu kommt: Auf- und Abstiegroute gleichen sich nicht. Das bringt mehr Abwechslung.

Aufgrund der beruflichen Situation konnten wir erst im Oktober starten. Das hat den Nachteil, dass dieser Monat recht nahe an der Regenzeit liegt. Dafür ist am Berg weit weniger los als beispielsweise im August. Unabhängig vom Menschenauflauf gilt aber: Die besten Zeiten zur Besteigung sind Dezember bis März sowie Juni bis August. Die Regenzeiten fallen in der Regel auf die Zeiträume Oktober bis Dezember (kleine Regenzeit) sowie März bis Mai (große Regenzeit).

Bei der Wahl des Touranbieters haben wir uns für Afromaxx entschieden. Die Inhaber Madeleine und Alexander leben aufgrund ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen seit 2004 am Fuße des Kilimandscharo. Sie haben eine kleine Lodge in Moshi. In den Internet-Foren wurden sie durchweg lobend erwähnt, so dass wir Kontakt aufnahmen. Die Kommunikation funktionierte bestens, der Preis war in Ordnung und nebenbei sprechen die beiden deutsch. Für Matthias, Markus und Frank hat Afromaxx im Anschluss an den Kilimandscharo auch noch eine Safari und den Aufenthalt auf Sansibar organisiert. Alles in allem waren Madeleine und Alexander sowie das gesamte Team eine perfekte Wahl. Unser Bergführer Bryson war über 300 Mal am Gipfel.

       
Afromaxx-Lodge in Moshi (l.); Bergführer Bryson (M.); Afromaxx-Team am Berg (r.) 

Vorbereitung
Es wurden schon Massen an Büchern über dieses Thema geschrieben. Das können uns wollen wir an dieser Stelle gar nicht leisten. Auf unserem dem Trainingsplan standen die Klassiker, sprich Laufen, Radfahren und Schwimmen. Wobei der Schwerpunkt auf dem Laufen lag. Drei bis vier Mal Sport pro Woche sind völlig ausreichend. Am besten sind natürlich Bergtouren. Darauf haben wir aus Zeitmangel weitgehend verzichten müssen. Na ja, nicht ganz: Wir waren immerhin am Uracher Wasserfall auf der Schwäbischen Alb. Dort haben wir unsere Bergstiefel eingelaufen und eine Höhe von 623 m ü. NN erreicht.

Es ist letztendlich schwierig zu sagen, mit welchen Fitnesswerten man am Kilimandscharo ankommen sollte. Es gab Marathonläufer, die gescheitert sind; und es gab völlig untrainierte Wanderer, die hochgekommen sind. Grundsätzlich gilt – und das schreiben die meisten Tourenanbieter in ihre Kataloge: Der Kilimandscharo ist eine technisch relativ leichte, aber konditionell eine sehr anspruchsvolle Bergtour. Man sollte gesund sein und eine gute Kondition mitbringen. Ein Vorabcheck beim Hausarzt kann nicht schaden. Die größte Herausforderung ist aber die Höhe, denn die höchste Übernachtung erfolgt auf rund 4.600 m. Die Gehzeiten betragen bis zu sieben Stunden, am Gipfeltag ist man zehn bis 15 Stunden unterwegs. Je nach Route. Nicht zu unterschätzen ist neben der physischen auch die psychische Belastung.

Höhenkrankheit
Darüber haben wir uns die meisten Gedanken gemacht. Wie wird es uns wohl oberhalb von 5.000 m gehen, wenn wir überhaupt soweit kommen sollten? Symptome der Höhenkrankheit sind Kopfschmerzen, Appetitverlust, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Atemnot, Schwindel, Ohrensausen, Schlafstörungen, Ödeme oder eine verminderte Wasser- und Salzausscheidung. Das hatten wir gelesen. Die Ursache liegt darin, dass der Luftdruck mit zunehmender Höhe absinkt. Damit wird auch der Sauerstoff-Partialdruck geringer, also die Menge Sauerstoff, die ein Kubikmeter Atemluft enthält. So verringert sich zunächst die Sauerstoffaufnahme in der Lunge. Es tritt eine Unterversorgung (Hypoxie) ein.

Der Körper kann sich innerhalb weniger Tage in gewissem Ausmaß an diese Situation anpassen, indem er mehr rote Blutkörperchen produziert. Diese Anpassung wird als Akklimatisation bezeichnet. Die Hauptgefahr des geringen Druckes liegt jedoch darin, dass sich durch die Blutdruckerhöhung in der Lunge und anderen Körpergeweben (zum Beispiel dem Gehirn) Flüssigkeit ansammelt (Ödem). Bemerkt man beim Aufstieg akute Symptome der Höhenkrankheit, sollte man sofort absteigen, da sich die Symptome auch beim Verweilen auf gleicher Höhe meist noch verstärken und sogar zum Tod führen können.

Es gibt keine verlässlichen Informationen darüber, wie viele Menschen am Kilimandscharo jährlich an Höhenkrankheit sterben. Unser Bergführer meinte, es seien bis zu einem Dutzend pro Jahr. Das Problem sei meistens, dass man die Symptome nicht ernst  nehme beziehungsweise zu spät darauf reagiere.

Natürlich haben wir uns auch gefragt, ob man entsprechend vorbeugen kann. Man kann es nicht, zumindest nicht auf sicherem Wege. Ebenso wenig kann man beim Arzt überprüfen lassen, ob man in der Höhe krank wird oder nicht. Neuere Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass so genannte PDE-5-Hemmer – das sind Arzneimittel wie Viagra, mit denen Erektionsstörungen behandelt werden können – auch den Blutdruck senken und gegen die Höhenkrankheit helfen können.

           
Träger in 4.000 m Höhe (l.); Aufstieg in 4.500 m (M.); Matthias am Stella Point in 5.745 m Höhe (r.)    

In den Anden wird als Mittel gegen Höhenkrankheit (auch vorbeugend) ein Tee aus Blättern des Cocastrauchs getrunken oder sie werden mit Kalk gekaut. In Tibet propagieren die Einheimischen Yak-Buttertee (gesalzener Tee mit viel Butter) als Vorsorge.


Kontrovers wird derweil der prophylaktische Einsatz von Diamox (Acetazolamid) diskutiert. Das ist ein Carboanhydrasehemmer, der den Augen-, Hirn- und Blutdruck senken kann. Allerdings hat Diamox viele Nebenwirkungen wie häufiges Wasserlassen und Geschmacksstörungen. Die Anwendung von Theophyllin zur Verbesserung der Sauerstoffaufnahme gilt als überholt. Als eines der besten Mittel gegen eine schwere Akute Höhenkrankheit (AMS) und bei einem Höhenhirnödem gilt derzeit Dexamethason. Bei einem Höhenlungenödem ist es allerdings unwirksam.

Wir haben auf all diese Dinge verzichtet und uns nur an die Regeln der Einheimischen gehalten. Sie riefen immer wieder "pole, pole", "langsam, langsam". Wer langsam aufsteigt, passt seinen Körper besser an die Höhe an. Wenn wir nachmittags im Camp angekommen sind, haben wir meistens das Gepäck abgeladen und sind noch etwas weiter aufgestiegen. Getreu dem Motto: Steige hoch, schlafe tief. Und: trinken, trinken, trinken – aber kein Alkohol.

Impfungen
Aktuell notwendige Impfungen für Tansania erfährt man unter Länder- und Reiseinformation auf der Internet-Seite des Auswärtigen Amtes (www.auswaertiges-amt.de). Zurzeit werden Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Hepatitis A und B empfohlen. Impfungen gegen Gelbfieber werden dagegen nur bei Einreise aus gefährdeten Gelbfieberländern gefordert.

Bei Einreise aus Deutschland wird zur Zeit keine Impfung verlangt. Bei Langzeitaufenthalten über vier Wochen sind zusätzlich Impfungen gegen Tollwut, Typhus und Meningokokken sinnvoll. Ein Impfausweis ist bei der Einreise nicht zwingend notwendig. Allerdings sollte man ihn für Notfälle dabei haben.

Anreise, Visa, Papiere
Außer dem Reisepass mit Visum sind keine weiteren Papiere notwendig. Jugendliche unter 16 Jahren benötigen einen Kinderausweis mit Lichtbild. Der Reisepass sollte am Tag der Einreise noch sechs Monate gültig sein.

Bei der Einreise nach Tansania bekommt man an den Grenzübergängen und an den Flughäfen ein Visum ausgestellt. Das Touristenvisum kostet 50 US-Dollar in bar. Reiseschecks, EC- oder Kreditkarten werden nicht akzeptiert. In der Regel bekommt man das Visum ohne lange Wartezeiten und bürokratische Hürden für einen Aufenthalt von drei Monaten gewährt. Für die Durchreise Kenias gibt es ein Transitvisum für 30 US-Dollar (Aufenthalt maximal 24 Stunden).

Die schnellste Weg zum Kilimandscharo ist ein Direktflug mit Condor von Frankfurt/Main (FRA) zum Kilimanjaro International Airport (JRO). Condor fliegt diese Strecke einmal wöchentlich dienstags, der Rückflug ist donnerstags (via Mombasa). Daneben wird der Kili-Airport von KLM (von Europa via Amsterdam/Niederlande) und Ethiopian Airlines (von Europa via Addis Abeba/Äthiopien) angeflogen.

Etwas günstiger sind Flüge nach Dar Es Salaam/Tansania (DAR) oder Nairobi/Kenia (NBO). Der anschließende Bustransfer dauert sechs bis acht Stunden. Die Busse verlassen Dar es Salaam und Nairobi bereits am Vormittag, so dass in den meisten Fällen eine Übernachtung in der Anreisestadt notwendig ist. Bei einem Flug nach Kenia kommen weitere Gebühren für ein Transitvisum hinzu.

Die Anreise über Mombasa/Kenia (MBA) ist etwas unbequemer. Unterm Strich zahlen sich günstige Charterflüge über diesen Weg wohl eher nicht aus. Denn die Weiterreise erfolgt täglich mit einem öffentlichen Bus über den Grenzübergang Tavetta. Die Qualität der Busgesellschaften lässt aber zu wünschen übrig – Pannen sind leider eher die Regel. Kostspieliger ist die Flugverbindung von Mombasa zum Kili-Airport (ca. 160 bis 240 Euro pro Ticket).

Ausrüstung
Die Ausrüstung wird am Kilimandscharo relativ stark beansprucht. Das liegt einerseits am Staub und am Dreck, andererseits am Regen. Wir blieben vor Nässe weitgehend verschont, mussten uns allerdings zum Barafu Camp im Eisregen durchschlagen. Das allerwichtigste ist der Regen- und Kälteschutz sowie ein warmer Schlafsack und gut eingelaufene Bergstiefel. Hier eine kleine Aufstellung mit den Utensilien, die wir dabei hatten:

Körper





– wind- und regendichte Jacke (Gore-Tex)
– wind- und regendichte Hose (Gore-Tex)
– Jacke (Softshell)
– Trekkinghose (mit Zip-Reißverschluss)
– evtl. Poncho
– warme Unterbekleidung (Funktionswäsche)
Füße / Hände



– Bergstiefel
– Socken
– Gamaschen
– 2 Paar Handschuhe (dünn und dick)
Kopf



– Mütze, Hut (als Kälte- und Sonnenschutz)
– Gesichtsmaske, Schal (als Windschutz)
– Sonnenbrille
– Gletscherbrille
Transport



– Trekkingrucksack / stabile Reisetasche / Seesack (ca. 75 Liter)
– Tagesrucksack (ca. 35 Liter)
– Regenschutz für Rucksäcke / Taschen
– wasserdichte Beutel / Tüten zum Verpacken der Bekleidung
Material






– Teleskopstöcke
– Schlafsack (Komfortbereich bis –10 Grad Celsius)
– Isomatte
– Stirnlampe (+ Ersatzbatterien)
– Digitalkamera (+ Ersatzakku)
– Uhr / Höhenmesser
– Trinkflaschen / Camel Bag (insgesamt für mindestens 3 Liter)
Sonstiges



















– Tabletten zur Wasserentkeimung (Micropur)
– Energieriegel
– Sonnencreme, Sunblocker
– Lippenschutz
– Erste-Hilfe-Set
– Reiseapotheke
– Hygieneartikel
– persönliche Medikamente
– Klebeband / Tape
– Ohropax
– Taschenmesser
– Buch, Karten, Schreibzeug, MP3-Player
– Handtuch
– Waschlappen
– Toilettenpapier
– Taschentücher
– Reispass (+ Kopie)
– Impfausweis (+ Kopie)
– Bargeld, EC- oder Kreditkarte (US-Dollar)
– Versicherungsschein Krankenversicherung

       
Ausrüstung sortieren (l.); vom Eisregen beanspruchtes Material (M.); Enge im Zelt (r.)    

Versicherungen
Für eine Reise nach Tansania ist eine Auslandskrankenversicherung unverzichtbar. Wichtig ist, dass im Notfall keine Summenbeschränkung besteht und der Rücktransport ins Heimatland eingeschlossen ist. Die Kosten für einen Arztbesuche oder Medikamente müssen in der Regel bar bezahlt werden. Das heißt auch: Immer eine vollständig ausgefüllte Quittung geben lassen, damit es später bei der Rückerstattung keine Probleme gibt. Daneben empfehlen viele Veranstalter eine Reiserücktrittskosten- oder eine Gepäckversicherung.

Geld
Der US-Dollar hat sich zu einer Parallelwährung zum Tansanischen Schilling (TSH) entwickelt und wird fast überall akzeptiert. Im Grunde müssen alle touristischen Aktivitäten müssen in US-Dollar bezahlt werden. Auch der Euro wird häufig akzeptiert.

Reiseschecks bieten zwar mehr Sicherheit als Bargeld, doch sie können nicht überall getauscht werden. Außerdem fallen dabei Gebühren von bis zu 10 Prozent auf die Umtauschsumme an, weil man erst in Landeswährung tauscht und dann in US-Dollar.

Mit Maestro-Card, Visa- und Mastercard kann man an einigen Bankautomaten Landeswährung abheben. Es gibt in Tansania aber keine Möglichkeit, US-Dollar an Bankautomaten abzuheben. Mit einer EC-Karte der Cash Group kommt man an Automaten der Barclays Bank gebührenfrei an die Landeswährung. Es gibt Barclays-Automaten in Dar es Salaam, Stonetown, Arusha und Moshi. Bei allen anderen Banken, mit Ausnahme der DKB Bank, wird in der Regel eine Gebühr von etwa vier Euro fällig. Häufig sind die Automaten jedoch einfach leer.

Internationale Kreditkarten sind in Tansania noch kein übliches Zahlungsmittel. Nur in einigen großen Hotels und Restaurants lässt sich damit bezahlen. Die Bearbeitungsgebühren betragen zwischen fünf und zehn Prozent der Rechnungssumme.

Die Mitnahme von Bargeld ist bei Kilimandscharo-Besteigungen nicht nur deshalb unerlässlich. Denn auch die Begleitmannschaft am Berg – sprich Bergführer, Koch oder Träger – erwartet zu Recht ein angemessenes Trinkgeld. Wir waren zu viert am Berg und hatten eine Begleitmannschaft von 13 Personen. Alles in allem haben wir 500 US-Dollar Trinkgeld an den Bergführer übergeben, der das Geld wiederum an die Mannschaft verteilte. Das entspricht in etwa der allgemeinen Empfehlung von 120 Euro pro Bergsteiger für eine Sechs-Tages-Tour.

Es empfiehlt sich, die Übergabe vor allen Helfern zu machen und den Betrag laut und deutlich zu nennen. Damit kann jeder Träger selbst einschätzen, ob das Honorar, das er vom Bergführer bekommt, auch angemessen ist im Verhältnis zur Gesamtsumme ist. Angeblich gab es in diesem Punkt immer wieder Reibereien, weil vom Bergführer zu wenig an die Mannschaft weitergeleitet worden ist.

(Quellen: eigene Recherche, Afromaxx, Wikipedia)