Aconcagua
6.962 m, Argentinien, Südamerika


NameAconcagua, Cerro Aconcagua
LageSüdamerika, Argentinien, 32° 39' 12'' S, 70° 0' 42'' W
Höhe6.962 m (Nordgipfel), 6.930 m (Südgipfel)
GebirgeAnden
NationalparkProvinzpark Aconcagua, Provinz Mendoza
BesonderheitHöchster Berg der Welt außerhalb Asiens; einer der "Seven Summits"
Erstbesteigung14. Januar 1897, Matthias Zurbriggen (CH)
Routen33
NormalwegÜber die Nord-West-Flanke; Basislager Plaza de Mulas (4.260 m)
Beste Besteigungszeit
Dezember, Januar, Februar


Der Berg
Der Aconcagua ist mit 6.962 m der höchste Berg der westlichen und südlichen Hemisphäre und gleichzeitig der höchste Berg der Welt außerhalb Asiens. Nebenbei ist er einer der "Seven Summits". Das sind die jeweils höchsten Gipfel der sieben Kontinente. Er ist damit auch die höchste Erhebung der Anden, die mit ihren 7.500 Kilometern die längste Gebirgskette der Welt ist. Der 200 bis 800 Kilometer breite Gebirgszug ist reich an Bodenschätzen, etwa Gold, Silber, Kupfer und Zinn. 

Die verschiedenen Vermessungen, die am Berg vorgenommen worden sind, waren früher Gegenstand heftiger Kontroversen. 1898 hat die chilenische Grenzkommission dem Berg eine Höhe von 6.960 m zugestanden. Die entsprechende argentinische Kommission hat später die Vermessung auf 7.130 m korrigiert, die höchste Vermessung jemals. 1957 hat die Aeronautikkarte OACI den Aconcagua mit 6.959 m ausgewiesen, eine Höhe, die von den IGMA-Karten seit 1962 übernommen wurde. Die zumindest in Argentinien am meisten benutzte Vermessung wurde 1989 von einem Satelliten vorgenommen, der eine Höhe 6.962 m errechnete, mit einer möglichen Abweichung von Plus/Minus fünf Metern.

Die Bedeutung des Namens Aconcagua ist unklar. Es wird vermutet, dass er sich von "Arauca Aconca-Hue" oder "Ackon Cahuak" (Quechua- Sprache) ableitet, was in etwa "steinerner Wächter" bedeutet. Quechua (auch Ketschua, in Ecuador Kichwa oder Quichua) ist eine Sprache beziehungsweise eine Gruppe eng miteinander verwandter Sprachen, die im Andenraum Südamerikas gesprochen werden. Auch die Inka, eine indigene urbane Kultur in Südamerika, sprachen eine Variante des Quechua.

Argentinische Quellen liefern ein ähnliches Ergebnis: Eine allgemein behauptete Theorie besagt, dass Aconcagua "Wächter aus Stein" bedeutet und aus den Quechua-Wörtern "Akon" und "Kahuak" abgeleitet ist. In der Aymara-Sprache gibt es derweil zwei Vokabeln, "Kon" und "Kawa", die Schnee und Berg bedeuten. Der abgeleitete Sinn in der Aymara-Sprache wäre danach "schneebedeckter Berg".

Geographie
Der Aconcagua befindet sich in den argentinischen Anden in der Provinz Mendoza nahe an der chilenischen Grenze. Sein Gipfel liegt fünf Kilometer von der Provinz San Juan und 15 Kilometer von der Grenze zu Chile entfernt. Nach Mendoza sind es rund 120 Kilometer ist östliche Richtung. Die gleichnamige Provinz befindet sich im mittleren Westen Argentiniens und hat eine Fläche von 151.000 Quadratkilometern. Von Santiago de Chile aus sind es zum Aconcagua gut 150 Kilometer in Richtung Nord-Osten. Die Küste des Pazifischen Ozeans ist vom Gipfel weniger 200 Kilometer in westliche Richtung entfernt.

Die Provinzhauptstadt Mendoza liegt 750 m über dem Meeresspiegel und ist gleichzeitig die "Hauptstadt des Aconcagua". Sie ist bekannt für ihr mildes Klima und gute Weine und trägt daher den Beinamen "Stadt der Sonne und des guten Weines". In Mendoza leben knapp 200.000 Menschen, zusammen mit den Vororten sind es 1,1 Millionen. Die Stadt verfügt über einen internationalen Flughafen (MDZ), gute Verkehrsverbindungen und eine Vielfalt von Übernachtungsmöglichkeiten. Es gibt rund 15.000 Betten in Ferienwohnungen, Ferienhäusern, Hotels und Hostels. Auch Campingplätze sind vorhanden.

Provinzpark Aconcagua
Der Provinzpark Aconcagua ist neben dem Park am Vulkan Tupungato und der Laguna del Diamante einer der drei Provinzparks im Hochgebirge Mendoza. Er wurde am 28. November 1990 per Gesetz im Regierungsbezirk Las Heras gegründet und umfasst 71.000 Hektar. Um den Provinzpark zu betreten, benötigt man eine Genehmigung. Diese muss persönlich in Mendoza abgeholt werden. Durch die Unterschrift befreit man die öffentliche Hand von jeglicher Verantwortung bei Unfällen. Außerdem erklärt man sich bereit, die Vorschriften des Naturparks einzuhalten.

Die Behörde in Mendoza, die die Genehmigung ausstellt, hat an sieben Tagen die Woche geöffnet. Die offizielle Besuchersaison beginnt am 15. November und dauert bis zum 15. März. In der Saison 2007/2008 zählte der Park 7.658 Besucher. Davon stammten 28 Prozent auf Argentinien. Danach folgten US-Amerikaner mit elf Prozent sowie Deutsche mit knapp sieben Prozent. Fast 40 Prozent aller Besucher kamen im Januar. Rund 60 Prozent aller Besucher – 4.548 Menschen – wagten sich an eine Besteigung des Berges. Inoffiziellen Angaben haben weniger als ein Drittel den Gipfel erreicht.

    
Karte von Südamerika mit Ausriss (l.); Aconcagua mit Polen-Gletscher im Gipfelbereich (r.) 

Geschichte, Erforschung, Erstbesteigung
Die ersten Versuche, den Gipfel zu erobern, werden dem deutschen Forscher Paul Güßfeldt zugeschrieben. Er hat den Berg entdeckt, erforscht und den Weg für künftige Besteigungen erschlossen. Güßfeldt gelangte im Jahr 1883 bis zu einer Höhe von 6.560 m, musste aber den Aufstieg wegen eines heftigen Sturms abbrechen.

14 Jahre später leitet der Engländer Edward Fitzgerald eine europäische Expedition von neun Abenteurern, darunter der Schweizer Matthias Zurbriggen als Hauptbergführer. 
Damals gab es keine Schutzhütten, keine Landkarten und keine genaue Angaben über Aufstiegsrouten. Am 23. Dezember 1897 bricht die Gruppe auf. Nach vielen erfolglosen Versuchen wagen Zurbriggen und Fitzgerald den Gipfelgang. In der Höhe von 6.700 m muss Fitzgerald aufgeben, Zurbriggen steigt alleine weiter. Die anderen Teilnehmer der Expedition waren inzwischen nach Puente del Inca zurückgegangen, um sich für einen neuen Versuch vorzubereiten. Am 14. Januar 1897 erreichte Matthias Zurbriggen den Gipfel. 

Flora und Fauna
Rund um den Aconcagua herrscht ein raues Klima. Verantwortlich dafür ist die Höhenlage des Ökosystems sowie die geringen Niederschläge. Sie führen insgesamt zu einer eingeschränkten Biodiversität, sprich es gibt in der Region eine vergleichsweise geringe biologische Vielfalt. 

Dennoch findet man es eine ganze Reihe von Tier- und Pflanzenarten, die sich bemerkenswert an die Höhe anpassen, sich aber hauptsächlich im niedrigen Teil des Naturparks in einer Höhe von bis zu 4.000 m befinden. Fast überall herrscht eine steppenähnliche Vegetation mit niedrigen Büschen wie zum Beispiel die so genannte "leña amarilla" (gelbes Holz) und der "cuerno de cabra" (Ziegenhorn). Hinzu kommen Weidegebiete, die sich aus "huecú" (grasbewachsenes Moor) und "coirones" (Pampagras) zusammensetzen.

Außerdem gibt es mehr als 60 verschiedene Vogelarten. Zu den typischsten Hochgebirgsspezies zählen der Andenkondor und der Maurenadler. Die Bergmäuse und der rote Fuchs sind die bekanntesten Erdtiere. Hinzu kommen Amphibien und Reptilien. Es gibt auch große Herden von Guanakos. Sie gehören zur Familie der Kamele und werden häufig von Pumas, den größten Raubtieren in der Region, angegriffen. Immer wieder staunen Besucher auch über europäische Hasen, die ein für dieses Gebiet exotisches Tier darstellen. Sie wurden angesiedelt.

Wenige Meter von der ersten Naturparkschutzhütte entfernt liegt eine der Lagunen der Provinz Mendoza, die sich durch ihre bläuliche Farbe auszeichnet. Dort findet man eine große Anzahl von unterschiedlichen einheimischen Tieren und Wildpflanzen vor.

Klima
Das Klima am Aconcagua kann extrem werden, selbst in den dortigen Sommermonaten wie dem Januar. Nicht selten wird der Berg wegen seines Klimas mit den Achttausendern im Himalaya verglichen. Der Aconcagua ist durch geringe Luftfeuchtigkeit, niedrigen Sauerstoffgehalt und heftige Winde gekennzeichnet. Die Stürme und Unwetter werden hauptsächlich durch die feuchten Winde verursacht, die durch ein Hochdruckgebiet vom Pazifischen Ozean entstehen. Die Winde stoßen im Verlauf gegen das Massiv und kühlen sehr stark ab. Schneefall ist die Folge. Auf dem Aconcagua ist aber nicht nur den Schnee- und Windstürmen zu rechnen. Wegen seiner geographischen Lage kommt es häufig auch zu Gewittern.

Auch bei gutem Wetter herrschen im Sommer in der Nacht auf 5.000 m meist Temperaturen von Minus 20 Grad Celsius. Auf dem Gipfel sind es durchschnittlich Minus 30 Grad Celsius. Falls auf dem Aconcagua schlechtes Wetter herrscht und Luftströme aus dem Süden kommen, beträgt die Temperatur im Basislager Plaza de Mulas im Schnitt Minus 18 Celsius, während auf den Hochlagern Temperaturen von Minus 25 Grad Celsius herrschen.

Besonders gefürchtet sind heftige Winde aus dem Westen, die oben am Gipfel einen großen und berühmten Pilz bilden. Das ist der so genannte "Viento Blanco", der weiße Wind. Er verändert innerhalb weniger Stunden die Verhältnisse grundlegend: Er bricht mit Geschwindigkeiten von bis zu 180 Kilometern plötzlich über den Berg herein, hält oft tagelang an und kann starke Schneefälle verursachen. Die Folge sind Temperaturen von bis zu Minus 30 Grad und Schnee im Basislager sowie orkanartiger Sturm in höheren Etagen. Bergführer raten dringend davon ab, unter solchen Bedingungen aufzusteigen. Der Südtiroler Reinhold Messner erreichte im "Viento Blanco" den Gipfel – nachdem er zuvor im Alleingang die berüchtigte Südwand durchstiegen hatte.

    
"Viento Blanco" (weißer Wind) im Gipfelbereich des Aconcagua (l. u. r.)    

Das Klima ist aber nicht immer so ungemütlich. Bei bestem Wetter kann man im Sommer im Basislager tagsüber kurze Hosen tragen, während am Gipfel eine einfache Gore-Tex-Jacke ausreicht. Im Winter wird der Aconcagua kaum und nur mit Ausnahmegenehmigung besucht. Die Temperaturen überschreiten praktisch nie die Null-Grad-Grenze, der Berg wird ständig von heftigen Winden und Schneestürmen umpeitscht.

Wirtschaft
Der dominierende Wirtschaftszweig in der Region Aconcagua beziehungsweise Mendoza ist der Weinbau und die daraus resultierende verarbeitende Industrie. Hinzu kommt die Förderung von Erdöl und die Verarbeitung in der Raffinerie. Zudem gilt Mendoza als das Tor zu Chile mit dem nahe gelegenen Großraum Santiago de Chile und ist daher eine wichtige Handelsmetropole.

Literatur
Die Auswahl an Büchern für den Aconcagua ist überschaubar – und weitgehend auf englischsprachige Lektüre beschränkt. Einen lesenwerten Pocket-Guide liefert Harry Kikstra mit "Aconcagua – Summit of South America". Dazu gibt es noch "Aconcagua: Ascent and Routes in the Southern Andes" von Jim Ryan und "Aconcagua: A Climbing Guide von R. J. Secor und Ralph Lee Hopkins.

(Quellen: eigene Recherche, ARD, Aconcagua-Expeditions, Wikipedia)